Mittwoch, 21. Juni 2017

Über Krankenhäuser, Arztpraxen, Eltern und Erziehung in Frankreich

ZAndrea vom Blog Runzelfüßchen hat auf Korsika leider keine guten Erfahrungen beim Arzt und in der Klinik gemacht und hat heute darüber geschrieben: "Beim Arzt auf Korsika":

"Während ich einer Mutter dabei zuhörte, wie sie ihr 18 Monatskind anmotzte, weil es wieder und wieder die Kisten mit Legosteinen leer räumte, dachte ich darüber nach, wieso französische Kinder als so wohlerzogen gelten. Offensichtlich, weil sie sehr viel angepasster sein sollen. Sich mit sich selbst beschäftigen, leise spielen und an sich einfach möglichst wenig auffallen, das schien in dieser Kinderarztpraxis an der Tagesordnung"
   (ganzen Beitrag von Runzelfüßchen hier)

Da auch wir in unserem Urlaub (und in 3 Jahren Frankreich) so unsere Erfahrungen gemacht haben, erzähle ich Euch heute auch mal davon.

Beim Arzt in Frankreich


Der Löwenjunge hatte sich am ersten Tag in der Ferienwohnung den Kopf an der Küchentheke angeschlagen und sich eine ziemlich dicke Beule geholt. An sich ja nichts seltenes. Da es ihm aber danach besser ging, verbrachten wir den Tag am Strand. Die Sonne und vermutlich die Erschütterung am Kopf sorgten dann aber am Abend für Kopfschmerzen. Am nächsten Morgen ging es ihm noch schlechter. Er klagte über starke Kopfschmerzen und Übelkeit und als er sich dann noch übergeben musste, rief ich bei meiner Freundin an. Das ist schon von Vorteil, wenn man Urlaub in der alten Heimat macht, sich noch auskennt und die liebe Freundin dann auch noch Ärztin in einer Allgemeinpraxis ist! Wir durften vorbei kommen, mussten aber natürlich mit Wartezeit rechnen, da Termine so kurzfristig nicht mehr zu bekommen sind. 
Das Winterkind spielte in der Kinderecke und wurde von den anderen Patienten beobachtet. Der Löwenjunge saß mit seinen 1m 28 zusammengerollt auf meinem Schoß und lehnte seinen Kopf an meine Brust. Es war unheimlich warm in der Praxis und ich schwitzte eben so vor mich hin.

Kurz darauf kam eine andere Mutter mit ihrer Tochter, etwa im gleichen Alter wie mein krankes Kind. Sie hatte offensichtlich auch Kopfschmerzen, weil sie von einem Rugby getroffen und umgefallen war. Sie saß weinerlich neben ihrer Mutter, deren Handy permanent klingelte und die leicht genervt war, dass sie jetzt mit der Tochter zum Arzt musste. Das Mädchen wollte auf den Schoß der Mutter. Da sie aber weinte und nicht ruhig sitzen konnte, vermutlich auch weil es der Mutter zu warm war, setzte sie das jammernde Kind maulend wieder neben sich und ging an das erneut klingelnde Handy...

Also eine ganz ähnliche Situation, wie es das Runzelfüßchen auf Korsika erlebt hatte.

Mein Löwenjunge hatte übrigens vermutlich eine Kombi aus leichter Gehirnerschütterung und Zuviel Sonne, übergab sich auf der Heimfahrt in die Ferienwohnung noch einmal kräftig im Auto, woraufhin der kleine Bruder sich solidarisch mit übergab. Am nächsten Tag war alles wieder gut und das Auto auch wieder von innen sauber. Glück gehabt.


In der Notaufnahme in Frankreich


Am nächsten Tag ging es dem Löwenjungen also schon wieder so gut, dass er mit dem Winterkind auf dem Bett rumtobte. Der knickte wohl mit dem Arm um (wir haben es nicht genau gesehen) und sackte weinend in´s Kissen. Wenn man mein Winterkind kennt, weiß man, dass er nicht so zimperlich und wehleidig ist und so einiges aushält. Wenn er aber so weint, wie an jenem Tag, dann schrillen meine Alarmglocken. Er legte sich in´s Bett und hob sich den schmerzenden Arm fest. Er könne ihn nicht mehr bewegen. Wir tippten erst auf Überdehnt oder geprellt. Er bewegte sich kaum im Bett und hielt sich immer den Arm. Als er dann den Arm nicht mal mehr drehen konnte, rief ich meine Freundin wieder an und sie riet uns, dass man dann wohl besser in die Klinik zum röntgen fahren soll. Das Winterkind hatte ja schon mal den Arm gebrochen und irgendwie fühlte sich das genau so an, wie er so da saß und sich den Arm fest hielt. Also fuhren wir in die Klinik und füllten die Papiere in der Notaufnahme aus. Wir versuchten nochmal, dass das Kind den Arm drehen sollte. Tsja und was soll ich sagen, es ging. Er lachte und meinte, es tut nur noch ein bisschen weh, aber sonst geht es jetzt wieder! Wunderheilung in der Notaufnahme. Wir überlegten gerade, wieder zu gehen, da wurden wir schon (vor allen anderen, die schon länger warteten) aufgerufen. Alle waren sehr nett dort und meine Freundin erklärte der Ärztin, dass er den Arm nun doch wieder drehen könnte und es vermutlich doch nichts ist. Um sicher zu gehen, dass es kein Bruch ist, sollte aber trotzdem ein Röntgen gemacht werden. Um die Wartezeit zu überbrücken und die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen, kam dann noch jemand und machte mit bunten Luftballons kleine Tierchen für das Winterkind, der schon wieder lachen konnte. 



Ganz ähnliche Erfahrungen hatte ich übrigens damals im selben Krankenhaus gemacht, als der Arm tatsächlich gebrochen war. Wir kamen damals sofort dran und alle waren unglaublich nett und liebevoll zu meinem damals 22 Monate altem Kind.

Beim Kinderarzt in Frankreich


Als wir damals in Frankreich lebten, waren meine Kinder 3 Jahre alt und ein Baby. Wir mussten damals natürlich auch oft zum Kinderarzt. Wir hatten großes Glück und auf Empfehlung von Arbeitskollegen von meinem Mann eine sehr liebe Kinderärztin. Die Praxis war sehr überschaubar, es gab keinen Empfang oder eine Arzthelferin, die Kinderärztin machte alles alleine. Wenn man um 09:00 Uhr einen Termin hatte, kam man auch um 09:00 Uhr dran. Man hatte genau die Zeit, die für eine bestimmte U-Untersuchung eingeplant war. Danach ging man und der nächste Patient saß im kleinen Wartezimmer. Fand ich eigentlich ganz gut. Keine überfüllten Wartezimmer, wo die Kinder dann erst krank werden, weil zu viele andere kranke Kinder auch da warten müssen.
Für den nächsten Impftermin bekam man gleich sein Rezept für den Impfstoff und ein Betäubungspflaster mit. Dieses musste man dann 30 Minuten vor dem Impftermin auf den Arm kleben, seinen Impfstoff mitbringen und dann wurde das Pflaster abgezogen. Die Einstichstelle der Impfspritze wurde durch das Pflaster also örtlich betäubt und tatsächlich gab es damals kaum Geschrei beim Arzt. Auch heute haben meine Kinder keine panische Angst vor Spritzen.

Krankes Kind im Urlaub?


Wie Ihr ja wisst, arbeite ich ja auch in einem Reisebüro. Was also tun, wenn das Kind im Urlaub krank wird? Leider lassen sich so Erfahrungen, die Andrea von Runzelfüßchen gemacht hat, nie vermeiden. In Deutschland kann einem das sicher auch passieren und in anderen Ländern natürlich auch. Aus eigener Erfahrung und das ist auch das, was ich meinen Kunden im Büro empfehle, kann ich Euch folgende Ratschläge geben:

  • vor dem Urlaub (oder auch noch vor Ort) sich über den ADAC informieren, ob und wo es deutsch- oder englischsprachige Ärzte gibt. Man bekommt per Mail eine Liste mit Adressen und Telefonnummern vom Allgemeinarzt bis zum Zahnarzt. Mit diesen Ärzten hat der ADAC meistens schon langjährige, gute Erfahrungen.

  • wenn telefonisch nichts geht, einfach hinfahren in die Notfallambulanz vom Krankenhaus, Touristen werden selten weggeschickt

  • über die Hotline Eurer gebuchten Auslandskrankenversicherung, wenn Ihr nicht im ADAC Mitglied seid, werden auch Ärzte vermittelt 

  • seid Ihr in einem Hotel oder auf einem Campingplatz, dann geht dort zur Rezeption; die kennen sich aus und können meistens auch schon für Euch beim jeweiligen Arzt anrufen, falls Ihr die Sprache nicht versteht


Eltern und Kinder in Frankreich


Andrea von Runzelfüßchen wollte auf Facebook wissen, ob in Frankreich wirklich auch Ohrfeigen oder Schlimmeres zur Erziehung eingesetzt werden oder warum französiche Kinder offensichtlich besser "erzogen" sind.

Wir haben einige unterschiedliche Familien kennenlernen dürfen. Aufgefallen ist mir, dass tatsächlich bei vielen (nicht bei allen!) eine ganz andere Beziehung zum Kind besteht, wie wir das hier irgendwie erwarten und praktizieren. (auch nicht alle!)

Kinder werden meist mit 2 Monaten schon zur Tagesmutter gegeben, danach kommen sie in die Creche und dann in die Ecole Maternelle. (Unsere Erfahrungen dazu habe ich schon mal geschrieben, einfach anklicken wer mehr wissen möchte) 
Das bedeutet nicht, dass französische Mütter ihre Kinder nicht lieben, ich glaube es ist einfach eine ganz andere Auffassung, Tradition und Lebensart. Frauen können daher in Frankreich, meiner Meinung nach, leichter Karriere machen, als bei uns. (Wenn die Meisten Mütter nach 2 Monaten wieder arbeiten kommen und das System eine Betreuung ermöglicht- das wissen ja auch die Chefs und stellen deswegen die Mütter trotzdem ein)

Die Franzosen sind mir immer sehr kinderfreundlich vorgekommen, aber eine enge und tiefe Bindung kann oft natürlich nicht entstehen, wenn die Kinder nie da sind. Bedürfnisorientiert? Keine Ahnung, ob es da im Französischen eine Übersetzung gibt.

Wir haben eine andere Einstellung. Als wir in einem Sommer mal in einem französischen Club Urlaub machten, konnten die Kinder dort schon ab 6 Monaten "abgegeben" werden. So alt war damals mein Winterkind. Nicht mal im Traum hätte ich mir das damals vorstellen können, ihn in fremde Hände zu geben und dies über Stunden. Der Löwenjunge wollte dort auch nicht in den Kinderclub. Wir haben Familienurlaub gemacht und waren die einzige Familie im ganzen Hotel, die den ganzen Tag ihre Kinder um sich hatten. Alle anderen Kinder waren nicht mal beim Essen bei ihren Eltern, sondern im eigenen Kinderrestaurant mit den Kinderbetreuern, damit Mama und Papa in Ruhe essen können. Sicher auch mal schön, aber ist es das, was WIR im Familienurlaub wollen? Stellt Euch die Blicke der anderen vor! Mein Winterkind begann damals Gemüse und Brot zu zerlutschen und zu zermanschen... 

Klapse und Ohrenziehen sind mir auch oft begegnet. Trotzanfall im Supermarkt? Wurde schnell unterbunden mit einem Klaps, da wurde nicht lange diskutiert.
Abschiedsschmerz am Kindergarten? "Stell Dich nicht so an, komm gib Mama ein Bisous und jetzt geh!"
Eingewöhnung im Kindergarten? Gab es bei uns nicht. 
Auszeit im Kindergarten auf dem Stuhl in der Ecke ist normal. Zum Glück hat mein Sohn nie erzählt, dass ihn mal jemand von den Lehrern an den Ohren gezogen hat. Mit unserer École hatten wir eh Glück, die nahmen sogar Kinder, die mit 3 Jahren noch nicht trocken sind. (Auch das ist an manchen Écoles Voraussetzung!)
Die Kinder lernen dort auch früh die Tischmanieren. Klar, sie essen ja auch in der Betreuung gemeinsam. Wer mit dem Essen spielte, war fertig und dann gab es erst mal bis zur nächsten Mahlzeit nichts mehr. So lernt man zu parieren. 

Die Kinder bekommen einfach gar nicht die Aufmerksamkeit von ihren Eltern, wie wir das hier eher gewohnt sind. Da wird konsequent "erzogen" ohne große Diskussion. 

Einige Familien, die aus diesem altbekannten "System" ausbrechen, durften wir aber glücklicherweise auch kennenlernen. Vielleicht braucht dieser Wandel aber einfach noch mehr Zeit und vor allem auch Akzeptanz von den anderen. Das war ja hier in Deutschland auch nicht anders, als das mit der berufstätigen Mutter kein Einzelfall mehr war.

In unserem vergangenem Urlaub sah ich im Eingangsbereich eines Supermarktes eine Frau, die ihr (schon etwas größeres) Baby stillte. Ich kam nicht umher und lächelte sie an, weil das ein für mich, in Frankreich, so untypisches Bild war. Sie lächelte freundlich zurück. Vielleicht wandelt sich ja doch etwas, vielleicht war sie aber auch gar keine Französin...


Gros Bisous

Eure Tanja



Mehr über unser Leben in Frankreich findet Ihr hier:
Leben im Ausland




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Montag, 12. Juni 2017

12 von 12 im Juni 2017 - und aus Frankreich

Wie schön, ich kann Euch endlich mal wieder 12 von 12 aus Frankreich zeigen. Wir sind noch im Urlaub in der alten Heimat und ich zeige Euch meine heutigen 12 Bilder.
(Mehr 12 von 12 wie immer bei Caro von "Draußen nur Kännchen")



Heute morgen zum Frühstück war es noch sehr bewölkt, aber wir konnten trotzdem draußen frühstücken. 



Der Löwenjunge wollte unbedingt mit Papa Fußball spielen, also haben das Winterkind und ich die beiden am Sportplatz rausgelassen 


und sind dann weiter auf einen alt bekannten Spielplatz. (Hier war ich damals auch oft mit den Kindern)
Der Wasserhydrant war aber irgendwie viel interessanter:


Mittags haben wir die Sportler wieder eingesammelt und sind dann noch ganz sportlich in den Sportladen. 


Dann sind wir heim, haben gegrillt und sind dann nach dem Abendessen zur Dûne de Pyla gelaufen. Und natürlich auch nach oben:




Ich liebe die Düne. Den herrlichen Blick und die ganz eigene Stimmung. 


Dann haben wir den Sonne beim Untergehen zugeschaut:



Und dann war sie weg:


Das war um 21:53 Uhr -
wie die Kinder nächste Woche wieder einen normalen Rhythmus finden sollen, weiß ich übrigens auch noch nicht, aber egal. 

Den Abstieg haben wir in Richtung Atlantik genommen. Natürlich mussten wir noch Wellen hüpfen:


Nach einem kurzen Spaziergang waren wir wieder in der Ferienwohnung. 
Müde aber sehr beeindruckt und glücklich sind die Jungs dann eingeschlafen. 

Mal sehen, wann sie morgen wieder aufwachen...

Gros bisous nach Deutschland 
Tanja



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