Sonntag, 6. März 2016

Mama, mir geht da was nicht aus dem Kopf! Gespräche mit meinem Erstklässler

Als ich gestern Abend mit dem Löwenjungen im Bett beim kuscheln war, begann er plötzlich mit den Worten: "Mama, mir geht da was nicht aus dem Kopf". Und was dann folgte, geht mir nun nicht mehr aus dem Kopf.

Die Gespräche mit meinem großen Kind verändern sich plötzlich, nehmen eine ganz neue Dimension an und treffen mich gnadenlos und mit voller Wucht, weil ich irgendwie noch gar nicht so weit bin. 

Eben habe ich noch seine Kindergartentasche in den Keller gepackt, 
der imaginäre Freund Rudi war gefühlt doch erst gestern ausgezogen und an den Nikolaus glaubte er doch eigentlich auch noch. Oder???

"Was geht Dir denn nicht mehr aus dem Kopf mein Schatz?"

"In der Schule hat jemand erzählt, dass seine Oma so schwer krank war, ganz schlimme Schmerzen hatte, dass sie es gar nicht mehr aushalten konnte und einfach so vom Balkon gesprungen ist. Weil Sie ihr Leben tauschen wollte. Ohne Schmerzen. Mama, geht das denn so einfach?"

Bang
Ein kalter Schauer überkam mich und ich suchte nach Worten. Sämtliche Alarmglocken schrillten. Jetzt bloß nichts falsches sagen. 

Doch was sind die richtigen Worte? 
Ich bekam Angst, die Sache zu verharmlosen. Was, wenn ihn mal so ein Kummer drückt, dass ihm diese Oma vom Balkon wieder einfällt? Er etwas unüberlegtes tut, weil er nicht weiter denkt? 

Und irgendwie machte es mich auch traurig, dass sich mein kleiner großer Löwenjunge mit 6 Jahren schon solche schlafraubende Gedanken machte. 
Ist dieses wunderschöne Alter der heilen Welt nun vorbei? Weichen Magie und Feenglanz nun den Gedanken von Gott und der Welt? 

"Eigentlich ist doch Gott jetzt an allem Schuld, wenn er der armen Frau so schlimme Schmerzen macht, oder?"

Ich musste tief Luft holen, denn nun war mir auch klar, dass von nun an öfters so Fragen und daraus folgende Gespräche folgen würden. 

Mein Löwenjunge wird groß. Seine Fragen werden konkreter und seine Überlegungen genauer und tiefer. Das unbeschwerte und unbelastete Denken wird sich langsam verwischen. 

Und auch wenn das für mich wieder "ein bisschen meinen Jungen loslassen" bedeutet, so freue ich mich doch auch, auf, hoffentlich noch viele, interessanter Gespräche, die ich mit ihm führen werde. 

Unser Gespräch gestern Abend war übrigens so behutsam und warnend zugleich. Wir haben darüber geredet, dass sich diese Oma das sicherlich und hoffentlich gründlich überlegt hat und vielleicht auch wirklich ihr eigener Ausweg war. Aber dass sie sich ihr Leben ja schon gelebt hat. Ich habe ihm erklärt, dass es danach auch kein Zurück mehr gibt und man nie etwas unüberlegtes tun sollte, egal um was es geht. 

Mehr konnte ich ihm für's Erste nicht mitgeben, aber ich hoffe, dass er immer das Vertrauen in uns Eltern behält, mit uns über Probleme und Gedanken reden zu können. 

Eins ist seit gestern geblieben. Mir geht es auch nicht mehr aus dem Kopf... 

Eure 
Tanja


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Kommentare:

  1. Oh Gott, Gänsehaut... Du hast absolut richtig reagiert!

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    1. Ich hoffe es, in dem Moment war ich mir so gar nicht sicher was die richtigen Worte sind.
      <3

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  2. Oh, die Situation stelle ich mir auch sehr schwierig vor. Aber du hast wirklich gut reagiert! Außerdem finde ich es toll, dass euer Löwenjunge dir mitteilt, wenn ihn etwas so sehr beschäftigt. Das zeugt von großem Vertrauen :)

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    1. Danke, ich hoffe es.
      So im Nachhinein kam mir das auch, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn er sich mit anvertraut. <3

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  3. Du hast ganz wunderbare Worte gefunden! Ich kann das gut nachvollziehen, wie erklärt man Kindern Dinge, die selbst für uns sehr schwer zu verstehen und zu verarbeiten sind? Es gibt kein Patentrezept, aber ich glaube auch, dass Kinder merken, wenn man aufrichtig zu ihnen ist. Und das warst du voll und ganz. Ja, Kinder werden groß und wir helfen ihnen dabei. Was für eine verantwortungsvolle aber zugleich auch wunderschöne Aufgabe, nicht wahr? Alles Liebe, Anna

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