Montag, 16. November 2015

Fassungslos über den Terror in Paris- soll ich mit meinen Kindern darüber reden?



Nach langen Jahren ohne Babysitter, lag dieses Wochenende fast paradiesisch vor uns. Mein Mann und ich hatten letzte Woche 9. Hochzeitstag und wir wollten mal wieder ausgehen.
Am Freitag also nach langer Zeit mal wieder gemeinsam in's Kino. James Bond in Überlänge, aber was soll's, wir verpassen ja nichts, wenn dann "nur" ein Fußball-Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland. (Was wir natürlich auch lieben, allein wegen unserer französischen Freunde). 

Wir kommen um halb 1 nach Hause und mein Mann möchte in seinem Handy noch schnell Fußballergebnis nachlesen, als er mit merkwürdiger Stimme sagte: "Schatz, komm mal her!" Wortlos überreicht er mir sein Handy und ich lese eine Zusammenfassung über die eben in Paris geschehenen Terroranschläge in Frankreich. Die Müdigkeit weicht der Fassungslosigkeit und wir schalten sofort den Fernseher ein.

Betroffenheit. Fassungslosigkeit. Sprachlosigkeit.

Der Terror in seiner heftigsten Wucht ist uns verdammt nah gekommen, auch wenn Paris noch viele hundert Kilometer weg ist von uns. Es trifft uns mitten im Leben. Und auch wenn wir jedes Mal vor dem Fernseher betroffen sind, über Krieg und Terror auf der ganzen Welt, so war das irgendwie doch gefühlt weiter weg, als jetzt.

Frankreich war eine zeitlang unsere Heimat und auch wenn unsere Freunde im Süden von Frankreich leben, so hat uns das Geschehene einfach noch härter getroffen als ein Bombenanschlag in Syrien, was natürlich nicht weniger schlimm ist. Es zeigt einfach, dass es jederzeit auch bei uns passieren kann. Mitten im Leben. Mitten unter uns. Hatten wir nicht gedacht, wir leben in einem friedlichen Land mit unseren Kindern?

In der Zeit als wir in Frankreich lebten, lebten wir, zumindest was die Nachrichten betraf, in einer heilen Welt. Das französisch meiner Kinder reichte nicht für Schreckensnachrichten im Radio. Diese Vokabeln von Hass und Terror waren nicht in ihrem Wortschatz.

Aber jetzt? Jetzt kann ich meine Kinder gar nicht vor den heutigen Nachrichten beschützen. Auch wenn wir am Wochenende bewusst das Radio nicht eingeschaltet hatten.

Soll man den Kindern davon erzählen? Und wenn ja, was und wieviel?

Das Winterkind ist mit seinen knapp 3 Jahren noch zu klein um zu verstehen, dass es so viel Hass und Leid da draußen vor der Türe gibt. Aber der Löwenjunge? Er geht mit offenen Augen durch die Welt, er hat ein Radio in seinem Zimmer stehen, ich kann es ihm nicht verbieten aus zu lassen.

Außerdem, weiß ich nicht ob heute in der Schule die größeren Kinder vielleicht irgendetwas erzählen oder er Unterhaltungen von anderen Menschen mitbekommt. Besser, wir als Eltern reden in behutsamen Worten in einer kindgerechten Sprache mit ihm.

Das haben mein Mann und ich dann auch getan. Er kennt Paris und er kennt Frankreich und er weiß auch, dass es auf der Welt nicht nur gute Menschen gibt. Wir haben ihm unsere Betroffenheit erklärt, denn die Bilder aus Paris bewegten uns das ganze Wochenende.

Leider können wir unsere Kinder nicht vor allem bewahren, so gerne wir uns das auch wünschen. Denn leider ist das Böse mitten unter uns.

Kinder haben eine ganz andere Wahrnehmung und ihre eigenen Fragen und Gedanken zu diesem Thema. Ich finde es wichtig, auch darüber zu sprechen, damit sie sich nicht durch ihre eigenen Gedanken zurückziehen und ängstigen.

Mein Sohn war richtig wütend, er meinte sogar, wenn er da gewesen wäre, hätte er sie sicher mit seinem Piratensäbel vertreiben können.

Mir ist es jedenfalls lieber, wenn wir mit ihm reden, als wenn er irgendwelche Sachen über andere Ecken und in anderer Wucht erfährt. Wir haben darüber geredet und dann war die Sache für ihn irgendwann gut.

Wie geht Ihr mit dem Thema Terror und Gewalt um?

Sehr schöne Texte dazu habe ich bei bei Mama Notes (Wie soll ich mit den Kindern über Terror reden?) und Tollabea (Wie können wir mit Kindern über Paris reden) dazu gefunden. Bei Bea findet Ihr das sehr schön nach Altersangaben erklärt, wenn Ihr unsicher seid, schaut hier unbedingt mal vorbei.

Kommt gut in diese Woche, auch wenn sie sich irgendwie komisch anfühlt....

Bisous
Eure Tanja

Kommentare:

  1. Ich habe nicht mit den Kindern darüber geredet. Ich hätte es gerne von ihnen ferngehalten. Aber das war nicht möglich. Sie haben mir erzählt, dass sie gestern morgen im Kindergarten ruhig sein mussten "wegen den Leuten in Frankreich". Aber was genau da passiert ist oder warum man da ruhig sein musste, das durfte ich dann erklären. Ich bin nicht glücklich, wie das gelaufen ist...

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    1. Also das finde ich sehr heftig. Nicht mal an der Grundschule haben sie darüber gesprochen. Ich glaube, wenn das bei uns gewesen wäre, würde ich mit dem Kiga sprechen. Hast Du da was gesagt zu denen?
      Lieben Gruß
      Tanja

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