Montag, 26. Oktober 2015

Was ich manchmal vermisse...

Als ich letzten Donnerstag Abend nach meiner Trommelstunde nach Hause fuhr, kam ich an der wunderschön beleuchteten Altstadt vorbei und gemütliche Cafe´s und Restaurants luden einen schon alleine durch ihre bloße Anwesenheit ein. Auf den Straßen war noch einiges los und man sah und hörte vergnügte Menschen. Mit einem Mal musste ich so an "früher" denken, als der Donnerstag Abend schon mein Wochenende einläutete, wenn ich mich mit meinen Mädels zur Lady´s Night und 80-er Party in der Dorfdisco traf. An diesem Donnerstag verspürte ich eine unglaublich Lust, das Auto zu parken und einfach so in eines dieser gemütlichen Café´s zu gehen. Einfach so. 
Natürlich tat ich das nicht, denn ich wusste ja, dass zu Hause meine Jungs auf mich und meinen Gute-Nacht-Kuss warteten...

Später am Abend, ich lag schon im Bett, habe ich noch ein bisschen in meinen Lieblings-Bloggs gestöbert und musste schmunzeln, denn als hätte sie mich vorher bei meinen Gedanken ertappt, las ich bei Nadine auf Buntraum - Gemeinsam Wachsen, diesen Blogbeitrag: "Was ich manchmal vermissse". Über Dinge, die man vermisst seit man Mutter geworden ist.

Ich kann Euch sagen, es war fast ein bisschen unheimlich, denn in so vielem fand ich mich wieder:

"Und bei der Musik von damals tauchen Erinnerungen aus alten Zeiten auf. Natürlich. Und dann vermisse ich das Kellnern. Die verdrehte Welt. Die langen Nächte, das Schlafengehen, wenn die Zeitungsausträger aufwachen. Die summenden Füße nach einer satten Schicht. Den Humor mit guten Gästen. Das geordnete Chaos hinter der Bar und in der Küche. Den Klatsch und Tratsch am Tresen. Das kühle Bier nach einer langen Schicht. Das Klimpern des Trinkgeldes."


Das Kellnern habe auch ich geliebt, auch wenn es manchmal echt hart war, so wenig Schlaf abzubekommen. Rückblickend war es aber vermutlich die beste Vorbereitung auf mein kommendes Mamadasein und so reichen mir auch heute notfalls auch mal nur 5 Stunden Schlaf.
Ich liebte es einfach unter Leuten zu sein, ihre Geschichten zu hören und wie sie mit der Zeit schon zu richtigen "Vertrauten" wurden. Es war ein bisschen  wie abtauchen in eine andere Welt.
Ja, das Kellnern ist definitiv etwas, was mir hin und wieder so ein bisschen fehlt.


...hinter dem Tresen fühlte ich mich wohl, kellnern war mehr als nur ein Nebenjob...


Wenn ich aber genauer überlege, sind es eigentlich gar nicht so viele Dinge von "früger" die ich heute vermisse. Manchmal denke ich mir, hach, wie herrlich wäre doch mal so ein völlig unverplanter und vergammelter Tag, ganz alleine daheim. Ihr wißt schon, so mit ausschlafen bis mittags, dann im Schlafanzug runter, Kaffee machen und eine fett belegte Pizza ohne Vitamine in den Backofen. Damit dann auf die Couch, Fernseh gucken bis die Augen weh tun und dann irgendwann ohne Umwege wieder in´s Bett. Aber dann muss ich schon selber lachen, denn das habe ich früher eigentlich auch schon nicht gemacht. Das mit dem schlafen schon, Pizza und Couch auch aber ansonsten wäre mir vermutlich dann nach 2 Stunden Glotze eher langweilig.

Manchmal, wenn ich unter der Dusche stehe und es schnell schnell gehen muss, drüben im Kinderzimmer schon wieder gestritten wird, dann denke ich schon "aaaaaaaaaargh- einmal wieder in Ruhe duschen...." 
Oder was wohl jede Mama kennt: man möchte mal in Ruhe auf Toilette, doch dann kommt garantiert: "Mamaaaaaaa!"

Auf Twitter wurde am Wochenende auch gefragt, was man sich so als Kinder-Auszeit in Stunden mal wünschen würde. Kinderfreies Wochenende ja oder nein. Ich für mich konnte da nur sagen, dass ich ein paar Stunden ohne meine Jungs recht erholsam finde, aber ein kinderloses Wochenende? Habe ich mir in über 6 Jahren Mamasein irgendwie noch nie gewünscht oder gar vermisst. Ein Kurzurlaub ohne Kinder? Wäre für mich derzeit nicht erholsam, ich würde sie vermutlich total vermissen und wäre in Gedanken immer bei ihnen, was sie wohl machen und ob alles in Ordnung ist... Da kann ich nicht anders, so bin ich eben.

Wenn ich so über das Thema vermissen nachdenke, fallen mir komischerweise eher andere Dinge ein. Es sind doch immer so bestimmte Zeiten, die man vermisst.

Manchmal vermisse ich, dass meine Jungs keine Baby´s mehr sind. Damals, als sie noch welche waren, da hätte man nicht gedacht, dass man das mal vermissen würde, aber dennoch war es eine unglaubliche und einmalige Zeit.

Als das Winterkind geboren wurde, da vermisste ich das Gefühl, wie es mit dem frischgeborenen Löwenjungen so war. Dabei war ich so unsicher und ängstlich, dass ich damals dachte, man braucht mindestens noch ein Kind um all die Erfahrungen die man so gemacht hat auch nutzen zu können. Als das Zweite da war, so war die Babyzeit einfach nicht so intensiv wie beim Ersten, denn man musste sich ja aufteilen, konnte mit dem Baby nicht so in den Tag hineinleben, wie es beim Ersten noch war, denn jetzt war ja das große Kind mit seinem ganz eigenen Rhytmus da.

Heute vermisse ich die unbeschwerte Zeit mit 2 Kleinkindern, denn ich finde der Schul- und Kindergartenalltag hat schon auch unser Leben verändert... Strukturen sind nun besonders wichtig, feste Zeiten für Hausaufgaben und morgens aufstehen sind nun Pflichtprogramm.

Natürlich vermisse ich auch die letzten 3 unbeschwerten Jahre in Frankreich. Gestern habe ich mir ein paar Bilder angesehen. Meine Kinder und ich hatten eine so wunderschöne Zeit dort, das Meer und den Strand und ganz viele wunderbare Erfahrungen. 

...unbeschwerte Kindheit am Meer...


Es gibt also immer Phasen, die man vermissen wird, mal sehen was es aus dem Jahre 2015 sein wird. Vielleicht, dass sie zu uns in´s Bett kommen?
Ganz sicher etwas, was mir eines Tages fehlen wird!!!

Es hat alles seine Zeit. Die Zeiten wo man nur für sich verantwortlich ist und sein eigenes Leben leben kann. Und dann eben das andere Leben als Mama. 

Was ich sicher etwas vermisse, ist das unbeschwerte Denken. Heute kann ich keine Filme mehr sehen, wo es um Kinderschicksale geht. Wenn die Jungs aus dem Haus sind, bleibt immer ein bisschen von der leisen Angst zurück, es könnte ihnen bis zum Wiedersehen etwas passieren. Verrückt aber wahr.

Irgendwann werde ich vielleicht ja die Gelegenheit haben, dass ich spontan in eines dieser  Altstadt-Cafés gehe. Vermutlich werde ich dann hoffen, dass ich dort drinnen nicht eines meiner (dann großen) Kinder treffe ;-)


Und was vermisst Ihr so?

Gros Bisous,

Eure Tanja

1 Kommentar:

  1. Diese Gefühle sind mir nicht unbekannt. Irgendwann nimmt man diese Schritte immer genauer wahr und verabschiedet sich von solchen Phase mit Wehmut. In all dem Trubel mit den Kindern sehnt man sich nach Stunden, nur für sich. Und sind sie dann aus dem Haus, ist es einem auch wieder nicht recht... Jede Minute genießen, sei sie auch noch so stressig...
    Liebe Grüße
    Andrea

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