Donnerstag, 27. August 2015

Weil ich nicht NICHTS tun möchte: Blogger für Flüchtlinge


Die Meldungen der letzten Tage gehen an keinem vorbei. Flüchtlinge sind in Deutschland nicht Willkommen. In einem Land, dessen Geschichte uns eigentlich hätte ganz andere Dinge lehren müssen. Teilweise kommen mir die Tränen und ich denke sehr oft, dass ich eigentlich ganz froh bin, dass meine Mama, diese Bilder nicht mehr sehen muss. Sie war selbst als kleines Kind mit ihrer Familie aus Danzig geflohen und hat uns immer wieder von dieser Zeit erzählt. Auch davon, wie viele Menschen, die selbst nichts hatten, ihnen immer wieder geholfen hatten.

Zu meinem Freundeskreis gehörten schon immer Menschen aus anderen Ländern. Es machte keinen Unterschied für mich und auch nie für meine Eltern, welche Religion oder Nationalität unsere Freunde hatten. Egal ob aus Bosnien, Polen, Türkei, Italien oder Frankreich.

Und auch meine Kinder werde ich nicht vorschreiben, welche Nationalität ihre Freunde haben müssen. Als mein Löwenjunge am 1. Tag aus dem deutschen Kindergarte kam, fragte ich ihn, ob er denn nette Kinder in seiner Gruppe hätte und er antwortete mir:

"Ja, Mama, ich habe auch 2 neue Freunde kennengelernt. 

Die sprechen genau wie ich 2 Sprachen! 

Nur eben nicht Französisch und Deutsch, sondern Türkisch und Deutsch, 

das ist doch cool, oder?"


Wenn man das natürlich auch nicht mit den Geschichten der Flüchtlinge vergleichen kann, aber wir wissen es ein bisschen, wie es sich anfühlt, seine Heimat zu verlassen.

Als wir vor 3 Jahren nach Frankreich zogen, in meinen deutschen Ausweis der Vermerk "ohne festen Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland" da fühlte sich das alles sehr, sehr merkwürdig an.
Ich zog hochschwanger in ein Land, dessen Sprache und Menschen ich nicht verstand. In ein Land, in das ich eigentlich nicht mal mehr einen Fuß setzen wollte, weil ich als 18-jährige im Urlaub an der Cote dÁzur mit Naziparolen beschimpft wurde. Ich verstand die Franzosen nicht, dass sie mich für etwas beschimpften, das ich selbst nur aus den Geschichtsbüchern kannte.

Doch es kam zum Glück ganz anders. Wir haben in den 3 Jahren Auslandsaufenthalt nur die allerbesten Erfahrungen gemacht. Wurden herzlich willkommen geheißen und aufgenommen. Sprachprobleme im Kindergarten wurden durch Übersetzungs-Apps auf dem Handy oder durch die Suche nach übersetzenden Eltern gelöst. Wir durften lernen und Fehler machen und haben uns nur dadurch so schnell eingelebt.
Kinder brauchen nicht mal eine Sprache, die haben sich gleich irgendwie zurecht gefunden.

Im Kindergarten meines Sohnes waren auch viele Kinder anderer Nationalitäten. Mein Sohn fand das überhaupt nicht seltsam oder sonstiges. Es gab in der Gruppe ein Flüchtlingskind aus Haiti, für das umgehend Kleiderspenden gesammelt wurde.

"Mama, was sind denn Ausländer eigentlich? Das ist doch ein komisches Wort, oder? 
Wir leben doch alle auf dieser einen Welt?"


Wenn man solche Sätze von seinem 6-jährigen Sohn hört, dann tut man sich in der heutigen Welt ganz schön schwer, eine Antwort zu finden.

Aber genau deshalb, möchte ich nicht NICHTS tun. Das bin ich meinen Kindern und mir schuldig. Unabhängig davon, was man von der Flüchtlingspolitik in seinem Land hält, die Menschen die zu uns gekommen sind, haben sicherlich auch sehr viel, wenn nicht sogar alles verloren. Haben Krieg, Gewalt und Hunger hinter sich gelassen. Sie sind hier und wir können unsere Augen nicht davor verschliessen. Wir sind Menschen, ganz egal welche Nationalität wir unseren Ausweispapieren haben. Und darum sollten wir uns auch menschlich verhalten.

Wir Blogger haben uns im Netz über diese Menschlichkeit ausgetauscht und zusammengeschlossen, weil wir Zeichen setzen wollen, gegen das braune Gedankengut dieser Tage. Wir wollen nicht, dass die Menschen, die alles verloren haben, hier auch in Angst und Unwürde leben müssen.

Aus diesem Grund gibt es jetzt auch die Webseite:

Blogger für Flüchtlinge

 
Hier findet Ihr Aktionen und Adressen wo und wie ihr helfen könnt, wenn auch Ihr nicht schweigen wollt.

Helft mit, dass unsere Stimme lauter wird als die Hetzparolen:



(Falls Du keinen Blog hast aber gerne eine persönliche Geschichte die dazu passt loswerden möchtest, dann melde Dich gerne für einen Gastbeitrag bei mir, der kann auch anonym bleiben)

Spendet (Geld oder Sachspenden)


Teilt unsere Beiträge auf Facebook oder Twitter



Merci für Eure Unterstützung!

Eure Tanja 

Ich freue mich auf Eure Kommentare, aber ich behalte mir vor, sie gegebenenfalls nicht zu veröffentlichen, wenn sie in irgendeiner Form rassistisch oder beleidigend sein sollten.




Kommentare:

  1. Hallo Tanja, na, da werd ich jetzt mal zur bloggerfuerfluechtlinge-Seite wechseln.
    Danke fürs drauf-aufmerksam-machen und liebe Grüße von Petra

    AntwortenLöschen