Dienstag, 16. Juni 2015

Wir sollten einfach mehr spielen, oder warum 2 Einzelkinder auch mal sehr schön sind...

Heute vormittag wurde mein Löwenjunge von seinen Großeltern abgeholt, weil der Opa mit dem "großen" Enkel ein Piratenboot bauen wollte. Der Kindergarten zog an diesem Wochenende in ein neues Haus um und so gab es einen Tag "Sonderurlaub" für mein großes Kind, der sich auch tierisch auf die "Exklusiv-Zeit" mit seinen Großeltern freute.

Das Winterkind und ich blieben zu Hause, Petrus meinte es wettertechnisch eh nicht wirklich gut mit uns und nach den letzten "heißen" Tagen regnete es heute mal wieder am Stück. 

Nun sind diese "Exklusivzeiten" mit dem Winterkind an sich ja eigentlich auch nichts Ungewöhnliches. Die Vormittage verbringen wir beide sowieso gemeinsam, bis wir mittags den großen Bruder vom Kindergarten abholen.

Aber heute war es anders. Es fühlte sich anders an.
Der Tag mit meinem kleinen Kind war viel länger, intensiver und inniger. Ja, irgendwie auch viel bewusster und ich habe ihn wirklich sehr genossen.

Vermutlich sehen unsere Vormittage aus seiner Sicht betrachtet nicht besonders aufregend aus. Da er ein sehr unproblematisches Kerlchen ist der auch recht wenig Aufmerksamkeit einfordert, versuche ich den ganzen Kram der eben so anfällt auf den Vormittag zu legen.
Alles ist einfacher mit nur einem Kind, das sich eigentlich nur selten beschwert: einkaufen, Hausarbeit, Garten...irgendwie alles. (Oh aber dazu musste ich übrigens auch erst noch ein zweites Kind bekommen, denn damals mit meinem "Einzelkind" habe ich das absolut nicht so gesehen, es war damals aber auch einfach nicht so.)

Mit dem kleinen Kind alleine habe ich meist die Ruhe, im Einkaufscenter einen kleinen Einkaufswagen zu nehmen, doppelt soviel Zeit mit ihm durch die Regale zu schlendern, jede einzelne Pfandflasche im Zeitlupentempo in den Automaten zu stecken, den netten Mann von der Getränkeabteilung zu fragen, ob wir uns das Ganze auch mal von der anderen Seite aus anschauen dürfen... Wir bereiten zusammen das Mittagessen vor und er darf auch so gedulderfordernde Dinge wie "Eier aufschlagen" versuchen. Das geht auch schon mit 30 Monaten, ehrlich! Aber eben nur, weil und wenn ich die nötige Ruhe und Geduld aufbringen kann.
All diese Dinge, die ich so vormittags mit dem Winterkind mache, habe ich auch damals mit seinem großen Bruder gemacht, als es nur ihn gab und praktisch keine Uhren und Termine.
 
Nur was ich schon sehr lange nicht mehr mit ihm alleine gemacht habe, ist spielen. 
Spielen, wie man es vielleicht (?) wirklich nur mit einem Einzelkind macht? Denn wenn sein Bruder heim kommt dann zieht er mit ihm los, spielt etwas oder geht dann wieder seinen eigenen Weg. Die Spiele dann haben eine ganz andere Dynamik, vielleicht andere Regeln und einen anderen Ausgang.
Oder wir spielen etwas gemeinsam, wo beide Kinder mitmachen können. Aber eigentlich selten so andauernd und intensiv.

Wenn das zweite Kind kommt, dann meint man ja immer, der Erstgeborene kommt zu kurz. Aber vielleicht stimmt das gar nicht so wirklich. Mein Großer bekommt/bekam so viele "Sonderbehandlung" (und damit meine ich jetzt nicht nur von uns Eltern) und ganz oft läuft der Kleine eben nebenher. Babyschwimmen und Kinderturnen- gab es nicht so in dieser Form in Frankreich und war auch nie so leicht mit 2 Kindern in dieser Altersgruppe unter einen Hut zu bringen. Viele Dinge konnte der Große mitmachen weil es damals nur ihn gab.

Unser Spielen heute hatte aber etwas so Faszinierendes, war etwas ganz Besonderes, was ich mir für die Zukunft unbedingt auch immer wieder in Erinnerung rufen muss. 
Damit meine ich jetzt nicht, dass ich ihn bespasst oder irgendwelche Spiele rausgezogen habe.Nein, ich habe mich nur klein gemacht, mich zu ihm auf seinen Spielteppich gesetzt und mich von ihm führen lassen. Zuerst habe ich ein paar Steinchen gebaut, dann hat er übernommen und weiter gemacht. Wir haben gebaut, sind Tiere und Hubschrauber geflogen, haben gelacht, gesungen und geknutscht und uns dann ein Schokoladeneis gegönnt. "Ohne Lala?(sein Bruder)".
Wahnsinn wie viel Phantasie da schon in seinem Spiel steckt. Diese Freude, das Lachen, seine Neugier und sein Eifer Dinge so lange zu probieren bis sie klappen!

Wir sollten einfach mehr spielen, oder?

Ein sehr schöner Nachmittag, auch wenn wir natürlich auch froh waren, als Oma und Opa den müden Löwenjungen wieder zurück brachten. So schnell konnte ich gar nicht gucken, da raste der Kleine dem Großen an der Türe schon entgegen.

Den restlichen Abend wollte dann mein Löwenjunge wissen, was wir so ohne ihn gemacht haben und als wir es ihm im Zimmer zeigten und erzählten, da meinte er "was? Ihr habt mich also gar nicht vermisst?"
Und ich meinte ehrlich "doch, das haben wir, aber es war auch mal schön nur zu zweit was ganz in Ruhe zu machen" und er nickte "ja, so fand ich das heute auch bei Oma und Opa. Fast wie früher aber jetzt ist es auch schön, wieder bei Euch zu sein!"


Geht es Euch auch manchmal so? Sicher ist das bei berufstätigen Müttern und Vätern noch sehr viel schwerer und seltener, solche Exklusivzeiten zu geniessen, gibt es die dann mit mehreren Kindern dann überhaupt noch? Seid Ihr auch ganz anders, wenn Ihr grad mal "nur" ein Kind bei Euch habt? Ich freu mich auf Eure Gedanken dazu. 

Gros Bisous,
Eure Tanja








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Kommentare:

  1. Guten Morgen Tanja,
    das kenne ich selbst zu gut. Bei zwei oder sogar mehr Kinder kann man einfach nicht 24 Stunden am Tag ganz für beide Kinder sein und deshalb habe ich die Zeit auch so genossen, als Sean in der Schule war und Lisa mit mir zu Hause. Jetzt geht sie in Kindergarten und im der ganzen Wohnung ist eine Stille, die mich ganz unruhig macht. Ich muss dann automatisch immer das Radio laufen lassen.

    So ist es dann schön, wenn beide Kinder gegen Mittag zu Hause sind.
    Mit dem Großen mache ich Hausaufgaben und Lisa malt nebenbei.
    Nach den Hausaufgaben spielen wir oft. Zweimal in Woche ist Sean beim Kickboxen und das ist das Lisas und meine Zeit. Sean darf dafür länger wach bleiben und wir reden dann ganz viel oder lesen auch Geschichten.

    Vielen Dank für deine ehrlichen Worte. Liebe Grüße, Geli

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  2. Hallo Tanja,

    wir hatten das eben schon über Twitter:
    Zeit mit den Kindern ist etwas wunderbares :)

    LG
    Petra

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