Mittwoch, 11. März 2015

Über die lauten Kinder – Nachgebloggt -


Einmal mehr, hat mich Susanne von Geborgen Wachsen, mit ihrem Artikel Mein lautes Kind (sehr lesenswert, auch mit nicht so lauten Kindern!!!) berührt und mir direkt aus dem Herzen gesprochen. Und ihr Text tat mir irgendwie auch so gut, denn ich muss sehr oft daran denken, gerade wenn es wieder etwas lauter zu geht.
Dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin, zeigen die Kommentare dazu, auf Susanne´s Blog oder allein schon auf meiner Facebookseite, wo sich viele angesprochen fühlten. Und wenn es vielen so geht, dann finde ich das manchmal schon sehr heilsam.
Auch ich habe so ein lautes Kind. Und diesen Satz habe ich mir sehr gut überlegt hier zu schreiben. Denn auf meinem Blog möchte ich nichts schreiben, was meine Kinder mir vielleicht eines Tage mal übel nehmen könnten. Aber je mehr ich darüber nachdenke, mich mit anderen austausche und eben auch so Texte wie den von Susanne lese, weiß ich, dass ich daraus kein Geheimnis machen muss. Es ist einfach sein Naturell, sein Wesen, seine Persönlichkeit. Er ist wie er ist und genau so liebe ich ihn.
Und auch wenn ich an vielen Tagen (oder besser gesagt abends, dann wenn der Tag nämlich besonders laut war) wirklich gerädert oder auch genervt bin, dann sage ich mir, es ist alles gut. Es gibt sie eben, die lauten und die leisen Kinder.
Laute Kinder können aber eben sehr anstrengend sein, da hilft die ganze Liebe nichts. Für hochsensible Menschen ist ein “zu laut” oft noch sehr viel unangenehmer, da sie ja sowieso schon sehr Geräuschempfindlich sind. Aber auch bei meinem Mann ist da so eine gewisse Schmerzgrenze schon erreicht und es kommt dann leider auch immer wieder zum großen Krach. Dabei weiß ich ja, dass der Löwenjunge es gar nicht unbedingt mit Absicht macht, nicht immer zumindest.
Dass es auch bei Kindern ein bisschen leiser geht, habe ich erst verstanden, seit das Winterkind auf der Welt ist, denn auch wenn er ebenso ein lustiges, fröhliches und aufgewecktes Kerlchen ist, er macht es einfach alles sehr viel leiser.
Mein Löwenjunge wäre also kein richtiger Löwenjunge wenn er nicht laut und deutlich “brüllen” würde, wie es sich für einen starken Löwen eben so gehört. Alles ist ein bisschen lauter bei ihm, das Treppen hochsteigen (pardon, hochtrampeln trifft es da schon besser), das rufen, das singen und ja auch das Schreien.
Mit dem ja auch schließlich einmal alles begann. Man holte ihn 2 Wochen vor Termin per Kaiserschnitt, was für uns beide vermutlich das erste Trauma war aber das ist eine andere Geschichte. Ich war damals am Verzweifeln, ich konnte nicht glauben, nicht verstehen, warum um alles in der Welt mein Kind so viel und so laut brüllte. Er traf eine Tonlage, die ich zuvor noch nie bei einem Baby gehört hatte und die ging durch Mark und Bein. Tage- und Nächtelang haben wir uns schunkelnd mit dem Baby auf dem Arm fortbewegt, damit es nicht das ganze Mietshaus wach brüllt. Ja, meine Nerven waren damals blank und auch wenn mein Herz voll Liebe war, mein Kind war mir damals “zu laut”.
Der Löwenjunge wurde älter und größer aber nicht unbedingt leiser. Ich hatte mich oft gefragt, was die Ursachen sind. Er ist eine sehr starke Persönlichkeit, sehr offen und war von Anfang an sprachlich sehr weit. Er konnte sich sehr schnell ausdrücken und er hat die wahnsinnigsten Erklärungen für alle möglichen Dinge in seinem Kopf. Manchmal vermutete ich, dass es daran liegen könnte, dass ich die Schwangerschaft mit ihm immer auch sehr ängstlich war, ein erneutes Wunschkind zu verlieren.
“Ich bin da! Und wenn Du mich nicht sehen kannst, dann sollst Du mich hören” auch diese Szenen kommen mir nur allzu bekannt vor. “dass man mich auch ja nicht irgendwo vergisst!”  Ich vermutete auch, dass er sich selber hören und spüren muss.
Als wir im Winter in Deutschland beim Ohrenarzt zur Kontrolle waren, habe ich meinem Arzt davon erzählt, dass er oft sehr laut redet und Schwierigkeiten hat, in einer normalen Lautstärke zu reden. Seine Antwort gefiel mir, auch wenn sie mir an manchen Tagen einfach nicht weiter hilft. “Ihr Sohn ist ein aktives und aufgewecktes Kerlchen, oder? Das ist doch gut so, aber  er kann deshalb eben nicht anders”. Was für ein toller Arzt, oder?
So habe ich endlich aufgehört, mich zu fragen, warum er so laut ist. Was helfen auch die Fragen “warum musst Du so rumschreien?” – denn, welche Antwort soll ein Kind denn schon auf solche Fragen geben?
Aber ich muss noch sehr an mir arbeiten, denn ich frage mich leider auch immer wieder, was denn andere von uns oder von meinem Kind halten soll. Das muss mir doch eigentlich schnurzegal sein, oder???
Und ich rege mich innerlich auch jedes Mal auf, wenn andere sagen: “na der ist aber laut, ungezogen (weil man schreit ja nicht laut), typisch Junge, laut und wild…” – sowas tut mir weh, denn sowas steckt ihn doch in eine Schublade und drückt ihm sofort einen Stempel auf. Dass er sich auch hinsetzen und die schönsten Bilder malen kann, sich die tollsten Geschichten ausmalen kann und Leute mit seinem herzlich ehrlichen “tschüss, ich hab Dich liiiieb” überrascht, sieht man ihm eben erst nicht an. Andere Mütter haben dafür schüchterne und leise Kinder, sagt man denen das eigentlich auch immer so nett???
Jedes Kind ist anders und so gibt es eben die leisen und die lauten Kinder, wie bei uns Erwachsenen auch. Und genau so wenig wie ich meinem Mann beibringen kann, leiser die Treppe rauf zu gehen, leiser zu sprechen und weniger laut zu schlafen, so kann ich vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht davon ausgehen, dass mein Löwenjunge leiser wird. Im Gegenteil, eigentlich wünsche ich mir, dass er auch in Zukunft so laut bleibt, denn unsere Welt braucht starke und laute Stimmen, denn sonst wird nichts verändert.
Gretchen von Zwei unter Zwei schrieb unter den Kommentaren auf Twitter:  “der Soundtrack meines Kindes läuft auch immer auf Anschlag…” und an diesen Spruch musste ich heute die ganze Zeit denken, weil der Soundtrack meines Kindes heute ununterbrochen lief, unterm Zähne putzen, unterm Essen, ja sogar im Schlaf läuft er manchmal weiter. Aber wie schreibt Susanne so wunderschön:
.Mein lautes Kind, ich liebe Dich. Weil Du bist, wie Du bist.
Weil ich gelernt habe, Dich zu verstehen und auch die kleinen,
leisen Zwischentöne wahrnehme zwischen dem lauten Geschrei.
Du bist mein lautes Kind, das in meinem Herzen jeden Tag für Musik sorgt.


(Solltet Ihr aber ein paar praktische Tipps haben, die unseren etwas lauteren Alltag erleichtern können, dann nur her damit)




Wer nichts verpassen will, der darf mir sehr gerne auf Facebook folgen. Viel mehr Bilder von unserem kunterbunten Familienleben gibt es übrigens auf Instagram.

Über Deinen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders! Es bedeutet mir sehr viel, dass Du Dir dafür einen Moment Zeit nimmst. * Merci *

Kommentare:

  1. Genau wie dir, fällt es mir schon manchmal schwer, mit dem lauten (Jüngsten) Kind auszukommen. Wahrscheinlich ist es wirklich wichtig zu verstehen, dass das Kind eben so ist und einen nicht ärgern will. Susanne und auch du haben wunderschöne Worte dafür gefunden, danke!
    LG, Micha

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    1. Danke liebe Micha! Ja, ich muss mich da auch immer dran erinnern. Grad weil er jetzt schon größer ist, merke ich, dass er manchmal selber über seine Lautstärke erschrickt.
      Wünsche auch Dir gute Nerven ;-)
      Lieben Gruß
      Tanja

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  2. Ein wunderschöner ehrlicher Text und ich kann mir vorstellen wie nervenzehrend es oft ist und wie schwierig dabei immer entspannt zu bleiben. JE nach Tagesform fallen mir manche Charakterzüge meiner Kinder auch schwerer einfach hinzunehmen. Und ich kann es so gut nachvollziehen, dass man sich doch immer Gedanken über das Denken der anderen macht. Kann ich auch nicht abstellen.
    Leider kann ich dir keine praktischen Tipps geben, denke aber du machst das eh schon so gut, dass es auch weiter gu sein wird :-)

    Liebe Grüße
    Stephi

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    1. Danke liebe Stephi <3 Ja, es stimmt, je nach Tagesform klappt es mal besser und mal nicht so gut.

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  3. Ja, ich kenne das, Tanja. Der kleine Spatz ist auch sehr laut. Und Dein Text ist sehr schön. Und wir sind nicht allein. Wie sagte doch kürzlich ein anderes Mitglied aus der Krabbelgruppe: "ich dachte schon, meine Kinder sind laut, aber Deine sind ja auch mal mindestens genauso wild." Wir sind nicht allein!

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