Samstag, 3. Januar 2015

Nachgebloggt: In was für einer Welt wollen wir leben? Über Vorbilder und Werte des Lebens

Gestern Abend las ich noch den schönen und ehrlichen Text von Ratzefatze Pustekuchen: in welcher Welt wollen wir eigentlich leben? der mich sehr sehr beschäftigte und ich daher etwas nachbloggen wollte. 

Es geht um fehlendes Unrechtbewusstsein in unserer heutigen Gesellschaft und dass wir doch eigentlich für unsere Kinder mit gutem Beispiel voran gehen müssen. Zumindest, wenn wir wollen, dass sie sich auch an gewisse "Regeln" halten sollen. 
Endwinterwunder beschreibt, wie sie gar nicht glauben kann, dass ein gefundener Geldbeutel nicht zurückgegeben wird "uns würde ja auch keiner was zurück geben" scheint die gängige Meinung dazu zu sein.

Und weiter:
"Ich gebe zu, ich bin da extrem. Ich gehe nicht bei rot über die Straße, ich sage Verkäuferinnen, wenn sie sich beim Wechselgeld verzählen, ich blinke auch dann, wenn ich alleine auf der Straße bin, ich werfe nie Müll auf die Straße. Ich halte mich einfach an Regeln, von denen ich möchte, dass mein Kind sie später beherzigt. Ich möchte, dass sie nicht nur klug und humorvoll und glücklich wird, ich wünsche mir auch, dass sie ein guter Mensch wird. "

Aber wollen wir das nicht alle? Ist das extrem so zu sein? 
Dann bin ich wohl auch extrem, denn mir geht es da wie ihr, auch ich bin mit diesen Werten groß geworden. 
Das geschah aber ganz nebenbei, denn ich kannte es einfach nicht anders. So wurde es mir vorgelebt. Es war nicht extrem sondern normal. Ich wäre gar nicht auf eine andere Idee gekommen, als der Kassiererin das falsch ausgegebene Geld zurück zu geben. 
Erst als ich irgendwann in der Teeniezeit mit Freunden im Freibad an der Eiskasse den Spruch hörte "bist Du blöd! Wenn die zu dumm zum Rechnen ist, hat sie selber schuld!" merkte ich, dass wohl nicht alle so denken. 

Sollte jetzt jemand genau so denken wie meine Freundin damals, dem empfehle ich, sich mal selbst an die Kasse zu setzen oder bis spät in die Nacht zu kellnern- denn leider passiert es schnell mal sich zu vertun und dann ist es ein richtig blödes Gefühl, wenn am Ende der Schicht Geld fehlt. Mit Dummheit hat das ganz wenig zu tun. 

Und haben wir nicht alle schon mal was verloren? Haben wir es zurück bekommen oder nicht? Wie hat sich das angefühlt, wenn wir es wieder bekommen haben oder eben wenn nicht?

Was ist richtig, was ist falsch? 
Diesen Unterschied gilt es doch auch unseren Kindern zu vermitteln. Und zwar so, dass sie es selber spüren und danach handeln, es für sie normal ist und nicht nur weil wir daneben stehen und es "kontrollieren".

Wir wollen nicht, dass unsere Kinder bei rot über die Straße gehen? Dann sollten wir auch stehen bleiben. 
Wir wollen dass sie ehrlich sind? Dann müssen auch wir zurück geben, was uns nicht gehört. 
Wir wollen dass unsere Kinder großzügig sind? 
Von wem könnten sie sich das wohl besser abgucken? 

Ein sehr merkwürdiges Beispiel dafür ist mir das letzte Mal in Deutschland passiert. Am letzten Tag vor unserer Abreise war ich mit dem Löwenjungen noch im Drogeriemarkt, Weihnachtsgeschenke einkaufen. Man bekommt auf seinem Kassenbon dann einen Rabatt für den nächsten Einkauf, je nachdem wie viel man eben eingekauft hat. Meiner war 1,04 Euro und da ich eh nicht mehr vor April da wieder zurück komme, habe ich den Coupon dem jungen Mann hinter mir in die Hand gedrückt, der schon in den Regalen sein Kleingeld gezählt hatte. Er war ganz erstaunt und bedankte sich herzlich. Keine große Sache. Was mich aber wirklich erstaunte war, dass die Kassiererin es nicht fassen konnte:
"Das ist aber nett von Ihnen. Sie könnten den aber auch aufbewahren. Oder was kleines für einen Euro kaufen?"
"ich kann ihn aber doch auch einfach verschenken, oder?"
"Ähm ja, aber das ist schon sehr ungewöhnlich"

In welcher Welt wollen wir also leben?

Wir könnten ja versuchen, 2015 etwas "ungewöhnlich" zu sein und in vielen kleinen Dingen die Welt zu verändern. Gute Vorbilder für unsere Kinder sein. 
Ehrlich. Freundlich. Großzügig. 

Mal das Parkticket weitergeben, was noch nicht abgelaufen ist, Sachen zurück geben, die uns nicht gehören, achtsam in und mit der Umwelt umgehen, den Einkaufswagen-Euro dem Bettler in den Hut legen, sich an Verkehrsregeln halten auch wenn grad keiner da ist der das kontrolliert, jemanden an der Kasse vorlassen der nur 3 Teile hat, und: Lächeln!!!!
Mit einem Lächeln kann man schon viel verändern. Probiert es mal aus. Wenn Euch einer mal blöde kommt dann lächelt entschuldigend. Das steckt an. Viele kleine Dinge können auch was verändern, wenn sie jeder tut. 
Ich würde sehr gerne, in so einer Welt leben. 





Und in was für einer Welt wollt Ihr Leben? Wo könnten wir noch ein bisschen mehr gutes Vorbild gebrauchen? Was regt Euch auf da draußen?

À bientôt und grand Bisous
Eure
Tanja 


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Über Deinen Kommentar freue ich mich natürlich auch immer sehr!

Kommentare:

  1. Sehr erfrischend zu lesen, das es Menschen gibt wie Dich und ich erkenne Ähnlichkeiten bei mir ☺️��
    Im Dezember gab es bei unserem ortsansässigen Baumarkt eine Rabattaktion die zu einem Stichtag auslief.
    Just an diesem Tag mussten wir auch zum Baumarkt (Kohlen fehlten noch ��) Nun mir fiel ein, ich hab da doch noch diese 2 Gutscheine. Habe beide mitgenommen und einen einlösen können. Den 2 hab ich dem Herren hinter uns an der Kasse verschenkt der somit 10% weniger zu zahlen hatte und ganz verdutzt schaute. Meinem Mann war das eher peinlich, ich fühlte mich gut, denn in gleicher Situation würde ich mir doch auch nen Loch in den Bauch freuen, so unvermittelt sparen zu können. Diese Geschichte ist mir nun beim Lesen Deines Artikels wieder eingefallen.

    Wir sollten uns so verhalten wie wir die Welt am liebsten hätten, leider Leben zu wenige nach diesem Motto oder trauen sich einfach nur nicht, weil sie dann als blöd abgestempelt werden könnten.

    ️LG Silvia

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    1. Liebe Silvia,
      Danke für Deinen tollen Kommentar. Ich würde mich echt auch freuen, zum einen wenn ich sowas bekomme (eben weil es ein lieber Gedanke ist) und zum anderen freue ich mich auch immer, wenn ich anderen eine Freude machen kann.
      Meinem Mann ist sowas vielleicht auch peinlich aber warum eigentlich? Was ist schon dabei, es kostet einen manchmal la noch nicht mal was! Bleiben wir also so und verändern einfach ein kleines bisschen um uns herum und hoffen, dass wir andere damit so überraschen dass sie angesteckt werden.
      LG
      Tanja

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  2. Du sprichst mir hier so oft aus der seele .. auch der Nachtrag bzgl der "regeln" weitergeben an unsere kinder
    - ich finde es genauso wichtig u bin da wohl auch in der gattung "extrem" für mich allerdings vollkommen normal

    finde deinen blog so toll..

    glg aus der alten\neuen heimat

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  3. Interessantes Thema! Ich weiß nicht, inwiefern es nur antrainiert ist oder der eine von Natur aus großzügiger ist, als der andere. Ich beobachte das seit einiger Zeit bei meiner Tochter mit großem Staunen, wenn ich sehe, wie großzügig sie von allem abgibt und Liebe (ver)teilt. Das ist wirklich unglaublich und ich glaube auch ungewöhnlich für eine Zweijährige. Da staunen wir als Eltern und können uns etwas abgucken! Ich hoffe, dass sie sich ihre Herzlichkeit bewahrt, ich weiß, es hängt auch von uns Eltern ab, wie wir uns untereinander und anderen gegenüber verhalten, aber ich glaube nicht nur, denn sie ist so spendabel seit ich denken kann. Wenn es mehr Menschen gäbe, die so wären, wäre unsere Welt definitiv ein schönerer Ort und du hast recht, man sollte sich so verhalten, wie man selbst auch behandelt werden möchte. Aber viele merken ihr Verhalten glaub ich gar nicht im Alltag. Abgestumpft. Gleichgültig. Die zunehmende Ich-Gesellschaft lebt es der jungen Generation vor. Das macht mir Angst. Warum diese Entwicklung? Ist es der Überfluss? Wir leben in einer Gesellschaft der Selbstverständlichkeiten, in der das wert schätzen aus der Mode gekommen ist. Es ist selbstverständlich jeden Tag ausreichend zu Essen, Strom, usw. zu haben. Ich glaube, der Mensch wird dadurch undankbarer, gedankenloser, weil er nicht mehr unmittelbar abhängig ist von anderen Menschen oder der Natur. Siehe Ich-Gesellschaft. Die Kinder von heute, bekommen die Werte aus der Familie immer weniger vermittelt, weil sie ja früh ihre eigenen Wege gehen (müssen) in der KITA. Die Eltern gehen arbeiten. So lebt jeder sein leben. Zuhause wollen Eltern dann ihre Ruhe nach der Arbeit. Nicht alle nehmen sich noch die Zeit oder haben Lust sich mit den Kindern zu beschäftigen, ihre Bedürfnisse zu verstehen. Sie werden überhäuft mit Geschenken und es wird untereinander verglichen. Was hast du, was ich nicht habe? Ich glaube, je reicher an Gütern, desto ärmer an Gefühl.

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    1. Lieben Dank für Deinen tollen Kommentar. Es ist ein interessanter Gedanke, mit dem antrainiert sein... Ich sehe das bei meinem Großen auch grad eher ganz anders als es mir lieb ist. Das mit dem teilen und schenken fällt ihm eher schwer aber ich hoffe dass er da noch etwas seine Angst verliert.
      liebe Grüße
      Tanja

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  4. Das ist doch ein tolles Motto!
    Laßt uns 2015 alle UNGEWÖHNLICH sein!!!
    LG
    Suse

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  5. Gerne gelesen - und ich verschenke auch gerne mal was (Gutschein, Coupon etc.) oder bestehe nicht auf jeden Cent, wenn ich jemandem Geld vorschiesse^. Ich runde Beträge, die ich schulde, generell auf, und ernte dafür oft ungläubiges Staunen. Warum eigentlich? ich sage dann immer: "Das sind die Spesen" ;-)

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  6. Ich bin mit allem einig, bis auf eins: Warum soll ich an der roten Ampel warten, wenn niemand außer mir an der Kreuzung ist? Ich halte Regeln gerne ein, wenn ich sie einsehe und wenn irgendein Mensch davon profitiert. Aber wer profitiert davon, wenn ich auf menschenleerer Straße stehen bleibe?

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    1. Liebe Michaela,
      Danke für Deinen Kommentar und Deinen Einwand.
      Sagen wir mal so, Du kannst das vielleicht abschätzen, ein Kind das Dich sieht eben nicht. Und ich lerne meinem
      Kind: "bei rot bleibt man stehen, bei grün darf man gehen" dann muss ich mich ja auch dran halten. Als Autofahrer fährst Du ja auch nicht bei rot, auch wenn sonst grad niemand da ist. Und Regeln sind sicher nicht nur dazu da, dass andere einen Nutzen davon haben. Aber wie gesagt, das muss jetzt ja jeder selber wissen ;-) ich bin früher auch schon mal bei rot über die Straße, seit ich Kinder habe aber nicht mehr soweit ich das weiß.
      Einen Geldbeutel nicht zurück geben finde ich z.B. auch schlimmer
      Lieben Gruß
      Tanja

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