Samstag, 20. September 2014

Die Ecole Maternelle in Frankreich, Schule oder Kindergarten? Das sind unsere Erfahrungen (Teil 2)

Im ersten Teil habe ich Euch berichtet, welche Vorurteile ich vor dem Umzug ins Ausland gegenüber dem "französischen Kindergarten" der Ecole Maternelle hatte und wie dann so unser erster Eindruck war. Heute könnt Ihr lesen wie es weiter ging.



Aller Anfang ist schwer
Der Anfang für den Löwenjungen in der Ecole Maternelle war schwer. Sehr schwer. Ich weiß nicht ob es wirklich anders gewesen wäre, wenn er in Deutschland in den Kindergarten gekommen wäre, ob es "nur" daran lag, dass er die anderen nicht verstand und er sich nicht verständigen konnte oder ob es die Trennung und der Umzug ins Ausland oder eben alles zusammen war. 

Denn die Maitresse (so sprechen sie ihre Lehrerin an) und ihre "Betreuungskraft" waren wirklich sehr, sehr herzlich und hilfsbereit. 
In seiner Gruppe waren es an die 22 Kinder, unterrichtet/beaufsichtigt von der Lehrerin (in Frankreich sind die Lehrkräfte sowohl für die Vor- als auch für die Grundschule ausgebildet, es gibt hier nicht unseren deutschen Beruf Erzieher/-in) und ihrer Hilfskraft (die den pflegerischen und materiellen Teil übernimmt aber keinen pädagogischen Auftrag hat). 

Ich hatte mit dem Löwenjungen gleich nach dem 1. Tag abgemacht, dass ich ihn immer um 11:20 Uhr, vor dem Mittagessen abhole. Und zwar so lange, bis er irgendwann bereit sei, länger zu bleiben. 
Damit war er einverstanden und ich glaube dieses Vertrauen machte es ihm etwas leichter zu bleiben. 
Er war so tapfer! Zwar hatte er beim Abschied etwas feuchte Augen aber er machte nie ein Theater. 
Er war ja auch hin- und hergerissen, denn er wollte ja bleiben um endlich französisch zu lernen und neue Freunde kennenzulernen.  Schon immer war er ein sehr kontaktfreudiges und munteres Kerlchen, spielte früher in Deutschland nie lange alleine auf dem Spielplatz. Hier vermisste er seine Freunde in Deutschland genau wie wir ja auch. 
Trotzdem, ich schaffte es immer grad so bis zum Auto und musste dann echt erst mal heulen. Rückblickend waren wir also beide tapfer. 
Er tat mir so leid und ich quälte mich wirklich damit, was wir ihm so mit dem Umzug ins Ausland antaten. 
Soll ich ihn wieder rausnehmen? Einen anderen Kindergarten suchen? 
Zu dem Zeitpunkt gingen wir davon aus 5 Jahre und somit auch 2 Schuljahre hier zu bleiben und dann bräuchte er die Ecole Maternelle. 


Hilfe bei der Integration?
Mein Sohn konnte kein Wort französisch und die Lehrerinnen kein Wort deutsch. 
Ich hätte mir ein bisschen Hilfe gewünscht, vielleicht durch ein paar CD's oder einfach mehr Informationen was den   Tagesablauf angeht. So hätte ich mein Kind etwas besser vorbereiten können. Leider war ich da total auf mich gestellt. Wir hatten ein paar französische Kinder-Cd's auf Verdacht schon in Deutschland gekauft  und so war der Löwenjunge auch einmal ganz happy und erzählte freudestrahlend dass das Lied das sie neu gelernt hatten auch auf seiner CD war. 

Völlig unvorbereitet traf uns dann leider auch der 1. Sporttag von dem wir nichts wussten. 
Der Löwenjunge war endlich soweit, mich ohne Tränen gehen zu lassen, als ich ein total verheultes Kind um 11:20 Uhr abholte. 
Was war passiert? 
Ab sofort hatten die Kinder einmal pro Woche Sport in der Turnhalle vom Nachbarsort wo sie mit dem Bus hinfahren müssen. Die Maitraisse erzählte mir, dass mein Löwenjunge partout nicht in den Bus steigen wollte und hysterisch geschrien hätte. Er war wirklich fix und fertig. 
Erst mal war ich erstaunt, weil ich dachte Bus fahren ist doch cool. Aber dann machte ich mich klein und stellte mir vor, ich bin ein 3 jähriger Junge, der morgens in den Kindergarten gebracht wird, der da zwar nichts versteht aber jeden Tag von seiner Mama auf der großen bunten Uhr gezeigt bekommt wann sie ihn wieder abholt. Das halte ich so einigermaßen durch, weil  ich genau weiß, meine Mama kommt wieder hier her und holt mich ganz sicher ab. Jeden Tag. 
Dann kommt ein Bus und die Frauen erzählen mir irgendetwas das ich nicht verstehe, ich glaube, dass ich da einsteigen soll. Aber wohin fährt der Bus?  Wann kommt er wieder zurück? Man darf zu Fremden nicht ins Auto steigen, ich kann dann doch nicht in einen Bus einsteigen? Wenn meine Mama kommt, bin ich nicht da. Das will ich nicht!!!!!! Kreisch!!!!!!
Ehrlich, mir tat mein Herz weh bei dieser Vorstellung, da hätte ich wohl auch geschrien!

Wir redeten mit der Maitresse, dass sie uns das bitte vorher sagen müssen, wenn etwas außerplanmäßiges stattfindet.
Es war nicht so, dass sie das nicht verstanden dort, ich glaube sie hatten einfach auch keinerlei Erfahrungen mit ausländischen Kindern die kein Wort verstanden.

Mama, morgen will ich auch mal mittags bleiben 

Nach ein paar Wochen, meinte mein Sohn dass er nun auch mittags in den Kindergarten will, aber nicht da essen. 
Gut, probieren wir! Viel Fahrerei aber ok, ein Versuch ist es wert. 
Mittagsschlaf machte er zu der Zeit sowieso eher unregelmäßig. 
Ich bring ihn nachmittags also hin und 3 Stunden später hole ich ein wütendes Kind wieder ab. 
"Als ich kam Mama, haben sie uns allen einfach die Hosen ausgezogen und hingelegt! Ich gehe da nie wieder hin, Mama!" Oh, hätte mich auch sehr gewundert wenn er da geschlafen hätte... 
Und er hat bis heute nicht einmal mehr dort geschlafen...

Manche Menschen schickt dann einfach der Himmel 
Eines Tages hole ich den Löwenjungen wieder vom Kindergarten ab. 
"Mama, heute kam ein neues Kind, der ist aber bei den Großen in der Klasse. Sie haben uns aber heute zusammen spielen lassen. Und der kann sogar deutsch und mag auch Feuerwehrmann Sam und Bob der Baumeister!!!"
Die Augen meines Sohnes strahlten und mir hüpfte das Herz! 


Fortsetzung folgt..... 


Der Löwenjunge geht nun in das dritte Jahr in die Maternelle, also muss das Ganze hier ja auch mindestens 3 Teile haben, oder?! ;-)

À bientôt und bis Bald, 

Eure Tanja







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Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    oh wei, da habt Ihr ja was mitgemacht! Sehr interessant, freu mich auf den dritten Teil :-)
    Jahrelang war ein Umzug bei uns auch im Gespräch, irgendwann waren die Kinder so alt, dass wir es nicht mehr gemacht hätten und mein Mann gependelt wäre. War dann glücklicherweise nicht nötig. liebe Grüße von Petra

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    1. Liebe Petra,
      das stimmt, wir haben auch gesagt, wenn dann nur jetzt. Und so sehr ich nun nach 2 Jahren das Land und die Leute hier liebe, ich freue mich, dass mein Löwenjunge nächstes Jahr in Deutschland eingeschult wird und das Winterkind noch einen dt. Kindergarten besuchen wird.
      Lieben Gruß
      Tanja

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