Montag, 1. September 2014

Messer, Gabel, Schere, Licht... Beobachten und Nachahmen MonteMon{3}

Mit dem Löwenjungen hatte ich ungefähr mit knapp 2 Jahren erste Basteleien versucht. Er liebte meine alten Kataloge und Zeitungen aus dem Reisebüro und wollte irgendwann dass ich Bilder daraus ausschneide und er klebte dann damit lustige Collagen zusammen. 

Lange Zeit begnügte er sich damit, mir zu zeigen welches Bild ich ausschneiden sollte. Und ganz ehrlich, ich kam damals auch gar nicht auf die Idee, einem 20 Monate altem Kind eine Schere in die Hand zu geben. (Das mit Maria Montessori kam bei mir ja erst mit dem 2. Kind) 
Irgendwann reichte das dann aber doch nicht mehr und er wollte fortan selber schneiden. 
Von meiner Schwägerin bekam ich eine sogenannte Therapieschere geschenkt, diese hat im Griff keine Löcher, sondern kann von der ganzen Hand umfasst werden. Durch ein
Kunststoffband an den Griffenden kann eine noch schwache, kleine Kinderhand die Schere selbstständig öffnen und damit schneiden. 
Und das funktionierte wunderbar nach kurzer Einleitung. Ab da gab es kein Halten mehr und der Löwenjunge schnitt und klebte seine Collagen alleine. Mama musste natürlich dabei zuschauen. Wir gingen in Massenproduktion, das kann ich Euch sagen, Collagen ohne Ende. Eine schöne und kreative Zeit. 

Als der Löwenjunge dann mit 3 in die Ecole Maternelle kam, wurde er von erstaunten Erziehern gelobt, dass er schon so gut und gerade schneiden konnte, während andere Kinder wohl angeblich nicht mal wussten, wie man eine Schere hält. 
Es hatte sich also gelohnt, über dieses Sprichwort "Messer, Gabel, Schere, Licht- sind für kleine Kinder nicht" nochmal nachzudenken.
(Aber Achtung, das erntet manchmal seltsame Blicke, wenn Du nicht reagierst auf "Euer Kleiner spielt gerade mit einer Schere..."

Nun ist das Winterkind bald 21 Monate und Schere, Filzstifte und andere Bastelutensilien sind durch den großen Bruder natürlich viel präsenter. Viele Dinge passieren jetzt natürlich ganz nebenbei und wenn der große Bruder mit Filzstiften malt, wer will denn dann bitte Wachsmalkreide oder Holzstifte? 
Und die Schere, die braucht man dann natürlich auch, denn man hat sich das ja genau abgeguckt beim Bruder. 
(Bei Mama natürlich auch, drum rennt er auch immer in die Küche, an den Platz wo wir unsere Scheren haben, wenn es irgendeine Situation erfordert eine Schere zu holen) 

So kam unser Montessori Moment der letzten Woche zustande. 
Mit einer weiteren neuen Leidenschaft des Winterkindes: Klebebänder
Zuerst hat er immer und immer wieder unsere Schublade mit den Kleberollen ausgeräumt (Krepp, doppelseitiges Klebeband und Paketklebeband). Das fand ich nun nicht so toll, aber dann sind uns die vielen bunten Rollen eingefallen, mit denen der Löwenjunge gerne Kartons oder Klopapierrollen beklebt. 

Es war faszinierend was dann geschah: er versuchte in Seelenruhe das Klebeband "aufzufrimmeln", zog es ab, hob es dabei ans Ohr weil das so lustige Geräusche machte. 





Versuchte wieder ein anderes Band Wieder von vorne. Zurück zum anderen Band, was ein lauteres Geräusch verursachte als das andere. Weil es unterschiedliche Materialien waren. 

Dann kam die Schere zum Einsatz, was natürlich sehr schwer war, da das Band ja dann zusammen oder an seiner Hand klebte. 
Er wollte aber unbedingt schneiden. 
Also gab ich ihm dünne Papierstreifen, die er mit einem Schnitt durchschneiden konnte. Das hatte er schnell raus und klappte prima. 



Danach wieder zurück zum Klebeband, das wir dann aber zum leichteren  Schneiden für ihn festgehalten haben. 



Die Klebestreifen wurden dann auf's Papier geklebt. (Was gar nicht so einfach ist, weil die natürlich auch an den Fingern kleben bleiben. Aber Geduld hat er ja, mein Winterkind.)









So haben wir diese Woche also immer mal wieder fleißig geklebt und geschnitten. 





Das Schöne daran ist diese Neugier und Faszination, aber auch die Geduld und Ausdauer und nicht zuletzt auch die Vorsicht, mit der Kinder dann mit solchen Dingen umgehen. 
Wir haben natürlich erklärt und haben auch mit den Fingern vorher alles ganz vorsichtig ertastet. 

Die Kinder sehen uns tagtäglich damit umgehen, darum wollen sie es uns natürlich nachmachen. 

Mir ist es immer lieber, dass ich dabei bin, wenn sie Sachen wie Schere oder Messer entdecken als wenn sie es heimlich versuchen, nur weil es strikt verboten ist. So lernen sie den vorsichtigen und besonderen Umgang. 
Bei einem großen und einem kleinen Kind, kann man erst recht nicht mehr alles verstecken. 

Auf meiner Suche nach neuen Übungen mit der Schere fand ich irgendwo den Satz "schneiden mit der Schere aber bitte erst mit etwa drei Jahren"- ok da musste ich jetzt einfach mal schmunzeln.

Habt Ihr noch weitere Vorschläge für das Schneiden mit meinem Winterkind? Dann nur her damit, ich freue mich auf Eure Kommentare.

Und jetzt bin ich auf Eure Montessori-Momente gespannt, Ihr könnt Euren Link unten eintragen. Wäre schön, wenn Ihr auf Eurem Blog auf diese Verlinkung hinweisen würdet. 
Auf dass wir viele neue Ideen sammeln können.

Die letzten Montessori-Momente könnt Ihr hier nachlesen.



Wer nichts verpassen will, der darf mir sehr gerne auf Facebook folgen. Viel mehr Bilder von unserem kunterbunten Familienleben gibt es übrigens auf Instagram.

Über Deinen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders! Es bedeutet mir sehr viel, dass Du Dir dafür einen Moment Zeit nimmst. * Merci *
 

Kommentare:

  1. Ich habe auch immer gesagt: lieber probiert sie etwas Gefährliches in meiner Anwesenheit, als dass sie es heimlich tut. So kann sie es lernen und wir haben die Kontrolle. Ich glaube so ähnlich hatte ich es einmal meinem Freund gesagt, als er sie nicth alleine die Treppe herunterlaufen lassen wollte. Eine Schere durfte unsere auch schon benutzen, aber mit Basteln hab ich es nicht so ;-)
    Lieben Gruß, Wiebke

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    1. Liebe Wiebke,
      ich und basteln- das ist auch so ein Thema! Wenn ich nur wüsste von wem sie das haben :-)
      LG
      Tanja

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  2. Ich musste gerade so lachen!
    Der Lausbub kam mit 2 in den Kindergarten. Es gibt zahlreiche Bilder davon, wie er sich in den Bastelraum setzte, die 40 Scheren des Kindergartens holte und JEDE, wirklich jede, ob Therapieschere, Zick-Zack-Schere oder Minischere, jede wurde ausprobiert.
    Es war so schön zu sehen wie fasziniert er davon war. Das Ganze ging 3 Tage! Wirklich! Die Erzieher hatten eine Engelsgeduld. Gott sei dank.

    Also lasst eure Kinder schneiden!

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    1. Liebe Petra,
      Da wäre ich ja zu gern dabei gewesen. Toll dass die Erzieherinnen ihn so gewähren liessen, das ist auch nicht überall möglich hab ich gehört. Aber zu schön auch in die Gesichter der Kids zu sehen, wenn sie so neugierig in die Welt blicken.
      Schöne Grüße
      Tanja

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  3. Liebe Tanja vielen lieben Dank für Deine liebe Nachricht auf meinem Blog, selbstverständlich habe ich Lust bei Deinem Monte-Montag mitzumachen, allerdings muss ich mich erst noch mehr in dieses Thema einlesen, ich finde Montessori auf jeden Fall sehr interessant. Ich würde mich über gegenseitiges Verfolgen, auch auf facebook, sehr freuen, wenn Du darauf Lust hast sag Bescheid. Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein wundervolles Wochenende und hoffe Ihr habt auch so schönes Wetter in Frankreich

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    1. Oh da freue ich mich aber, danke für Deine Nachricht. Klar, ich folge Dir schon ;-)
      Lieben Gruß und bis Bald
      Tanja

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