Dienstag, 30. September 2014

Das dicke Kind - oder ICH BIN GUT SO! ein Gastbeitrag von ZwillingsmamaTanja zur aktuellen Blogparade

Auf Twitter kann man ja wirklich auch nette und interessante Unterhaltungen führen, sofern man die passenden Menschen in seiner Timeline hat. 
Vorgestern abend las ich dann "Meine Mama sagt ich bin zu dick"  
und wir diskutierten über zu dick und so schön dünn (genau so gefährlich) und darüber was solche Aussagen bei den Kids hinterlassen muss.   
Meine Schwiegermama hatte letzte Woche aus Deutschland eine DVD von Biene Maja mitgebacht. Ich kuschelte mich zum Löwenjungen und bin ganz erschrocken. Nein, nicht wegen Helene Fischer aber weil das nicht mehr diese Biene die ich meine war, nicht die von vor über 30 Jahren die ich so  liebte. Sie sieht süß aus, keine Frage, aber hat auch ganz schön abgespeckt, oder???

Eine ganz persönliche Geschichte hat auch Tanja, Zwillingsmama mit richtig Power. Leider hat sie keinen eigenen Blog aber ich lass sie sehr gerne hier erzählen, weil sie so recht hat und weil ihr Murmelmädchen in meinen Augen alles andere als dick ist.

Liebe Tanja, herzlichen Dank dass Du hier bist, wenn Du mal wieder was zu sagen hast, in Frankreich bist Du stets willkommen! 


 

Das dicke Kind - oder ICH BIN GUT SO

 

Die liebe @tafjora war so lieb, meinem Beitrag französisches Asyl anzubieten. Herzlichen Dank dafür - ich freue mich sehr ;-)

 “Wer ein Mädchen fürs Dünnsein lobt, sollte gut überlegen, ob die junge Dame nicht schon nah an Magersucht ist.
Erkenntnis aus Familienstory“

Dieser Tweet von Bea Beste @TOLLABOX löste vergangene Tage in meiner TL einen regen Austausch über angeblich zu dicke oder zu dünne Kinder, Bandwürmer, die “neue“ Biene Maja, Umfeld und Eltern mit abstrusen Vorstellungen aus...

An dieser “Unterhaltung“ beteiligten sich so viele Leute, es kamen immer mehr merkwürdige Begebenheiten und Äußerungen (aus dem Umfeld meiner TL) zu Tage, dass die Idee einer Blog-Parade schnell geboren und logische Konsequenz war. Es gibt scheinbar sehr viele Menschen, die zu diesem Thema eine Geschichte bzw ihre Geschichte zu erzählen haben.

Ein Satz der tollen Power-Mami @marakolumna ist mir an diesem Abend ganz besonders in Erinnerung geblieben:

“Man darf nur Dinge vergleichen. Niemals Menschen. Das tut immer weh.“

Die liebe Nessa @FrauWundertoll hat auch prompt am selben Abend den Startschuss zu unserer Parade abgefeuert. Ein wundertoller und zum Nachdenken anregender Beitraghttp://wundertolles.de/meine-mama-sagt-ich-bin-zu-dick/ eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

Der Hashtag zur Blogparade lautet #ichbingutso !

Ich habe hierzu eigentlich gleich zwei Geschichten zu erzählen... meine und die meiner Tochter!

Meine Geschichte:

Meine Geschichte fängt mit einem Hausarztbesuch meiner Mama an... ich war damals jünger als die Murmels heute. Unser ehemaliger Hausarzt beleidigte meine Mama für ihr Übergewicht und knallte ihr vor den Kopf, ob ich auch mal so fett werden solle! Meine Mama ist nie wieder zu diesem Arzt gegangen. Verständlicherweise!

Tja, aus mir wurde ein dickes Kind. Wie viel davon Veranlagung (uns gibt es nur in zu dünn und zu dick...), Ernährung oder andere Einflüsse waren, vermag ich nicht zu beurteilen. Für meine Mama war mein Übergewicht definitiv schlimmer als für mich. Ich war seit jeher mit einem starken Ego und einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein gesegnet (oder gestraft). Ja, ich war dick... ich bin trotzdem höher geklettert als jeder Junge, bin trotzdem schneller geschwommen und habe vor meinem 15 Monate älteren Bruder schwimmen, Rad und Rollschuh fahren gelernt! Ich fand mich gut so, wie ich war! Hat jemand in Bezug auf meine Figur “Die fette Elke“ gesungen, so habe ich mit gesungen. Auch später in der Pubertät war mein Gewicht kein Problem für mich... ich habe den Jungen bekommen, den ich wollte ;-) und wir waren 9 Jahre ein Paar.

Für meine Mama hingegen war es sehr schlimm. Sie hat selber eine Diät nach der nächsten gemacht. Oft mit dem bekannten Jo-Jo-Effekt. Sie war ständig darum bemüht, mir ihre Diäten aufschwatzen zu wollen. Sie war der felsenfesten Überzeugung, wenn sie mit ihrem Gewicht unglücklich ist, muss ich es auch sein. Es ging so weit, dass sie mir einreden wollte, dass ich mir mit meinem Gewicht mein Leben “versaue“.

Ich bin 39 und habe mein Lebtag keine Diät gemacht... und darauf bin ich auch noch stolz!

Ich habe zwischenzeitlich abgenommen, viel zu viel sogar. Die Zwillingsschwangerschaft, Stillen der Zwillinge, Trennung, Full Time Job, Umzug... das war zu viel in zu kurzer Zeit. Von Kleidergröße 48 vor der Schwangerschaft bin ich runter auf Kleidergröße 36 im Sommer des letzten Jahres. Fragt mich nicht nach dem Gewicht. Ich besitze aus Überzeugung keine Waage! Ich war unglücklich. Das war ich nicht! Jeder der mich eine Weile nicht gesehen hat, war entsetzt! Ich habe mich wie ein Schatten meiner Selbst gefühlt. Heute bin ich bei Größe 40 - manchmal 42 - und ich fühle mich wieder wohl.

Nicht jeder Mensch ist zum dünn oder dürr sein gemacht!


Die Geschichte meines Murmelmädchens:





Oh man, war ich stolz und glücklich ... ich durfte mit meinen Murmels bis in die 39 Schwangerschaftswoche gehen. Spontan entbinden leider nicht (dies ist eine andere Geschichte). Aber (nach Startschwierigkeiten des Murmeljungen) ich hatte zwei gesunde und wie es in ärztedeutsch heißt, “reif geborene“ Kinder. Auch die Maße fand ich für Zwillinge phantastisch - das Murmelmädchen hatte 2.930 g bei 48 cm und der Murmeljunge 2.940 g auf 49 cm.

Das Mädchen war in punkto Stillen ein Naturtalent. Sie nahm schon im Krankenhaus super zu. Der Junge leider nur minimal (er hat eigentlich erst nach dem Stillen richtig zugelegt).

Schon seit längerem wollen mir einige Personen aus unserem direkten Umfeld erzählen, sie sei zu dick bzw sprechen von ihr als “das dicke Kind“! 

Die Kleidungsindustrie scheint ihnen auch noch recht zu geben. Ich muss ihre Kleidung immer größer kaufen, als die des Jungen (obwohl er 2 cm größer ist). Lege ich die Kleidung der Murmels (in gleicher Größe) übereinander, sind die Jungensachen mehrere Zentimeter breiter. Die Mädchensachen sind teilweise auf Figur geschnitten... wir sprechen von 2jährigen Mädchen!

Die Jungenhosen sind bequem und weit geschnitten - super zum Spielen und Toben. Mädchenhaften sind knartschenge Röhren... Dürfen Mädchen heute nicht mehr Toben? Werden Mädchen heute schon als Kleinkinder auf mager gedrillt?

Ja! Meine Tochter ist nicht mager! Vielleicht hat sie etwas mehr als die Norm... wer stellt die Normen auf? Sie ist NICHT DICK... ich finde sie NORMAL! Zum Glück hat mich meine TL in diesem Empfinden bestätigt! Ich danke Euch dafür!

Ich bin damit groß geworden, dass man permanent an mir, meiner Figur, an meinem Essverhalten rumkritisiert hat... ich will nicht, dass meine Tochter so aufwächst!

Wir essen viel Obst und Gemüse, aber wir essen auch Kekse und Süßigkeiten! Sie sind Kinder.

Der Murmeljunge ist übrigens aus der Bandwurmfraktion... er isst oft viel mehr als seine Zwillingsschwester und wiegt ca. 1 kg weniger als sie. Er ist aber auch permanent in Bewegung. Er stellt sich morgens an und abends wieder aus.

Liebe Grüße
Tanja

Kommentare:

  1. Das Mädchen auf dem Foto soll zu dick sein? Davon kann ja wohl keine Rede sein! Ich finde es toll, dass du dich nicht beirren lässt.
    LG, Micha

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  2. Um Gottes Willen, Deine Kleine ist doch nicht dick! Unglaublich, was diese Gesellschaft aus uns macht!

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  3. Hallo?
    Mit zwei Jahren kann man noch gar nicht sagen, wohin sich das Kind entwickelt. Wichtig ist nur, die Kurve im Auge zu behalten. Daß eben die Entwicklung voranschreitet.
    Alles andere ist schnuppe.
    Dein Kind paßt so, wie es ist. Nichts Anderes!

    Liebe Grüße
    Suse

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  4. Danke, für Eure lieben Kommentare ;-)

    Auch wenn das Murmelmädchen später kein Hungerhaken wird, ist das kein Weltuntergang. So lange sie gesund ist und sich wohl fühlt in ihrer Haut, ist alles gut.
    Wir hatten jetzt eine Woche einen hartnäckigen Magen Darm Virus... bei dem Murmeljungen sieht man schon wieder jede Rippe... das Murmelmädchen sieht normal aus. Bei ihr muss ich mich nicht sorgen, wenn sie mal schlecht isst, weil es ihr nicht gut geht. Sie ist die gesündere und robustere von Beiden!

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