Montag, 25. August 2014

Montessori-Montag: für unsere und Eure Montessori-Momente jetzt immermontags: MonteMon

Die Montessori-Pädagogik ist für mich unheimlich interessant und spannend. Klar, gehört und gelesen hat man viel, aber wenn man mal in die Runde fragt: "was hältst Du so von Montessori?" dann  (und so ist es mir eben ergangen) hast Du entweder jemanden vor Dir, der sich damit (zumindest ein bisschen) auskennt, befasst, umsetzt. Oder aber Du darfst Dir so Sprüche anhören wie: "na, die haben doch keine Ahnung von der Realität" oder noch besser: "das sind doch die, die ihren Namen tanzen". 
Ach ja?????

Ich finde ja, dass das jeder für sich entscheiden kann, aber man sollte sich doch bitteschön auch nicht so abwertend äussern, wenn man keine Ahnung davon hat, oder?

Wenn ich "früher" von Montessori-Schulen oder Einrichtungen gehört habe, dann dachte ich an freies Spielen/lernen, vielleicht ein bisschen verwechselt mit Waldorf, keine Ahnung ich glaub das war es auch schon. 
Ich hatte noch kein Kind, später als der Löwenjunge dann da war, gab es keinen solcher Kindergärten in unserer Nähe und für mich war Montessori eigentlich nur auf Kindergarten oder Schule beschränkt. 

Dass man diese Dinge auch zu Hause umsetzen kann, habe ich erst alles nachgelesen, als ich durch Zufall den Blog Eltern vom Mars über Facebook gefunden hatte. Die Nacht wurde lang, denn ich hatte viel nachzulesen! Es war so spannend und interessant, dass ich nicht aufhören konnte. 
Vorbereitete Umgebung faszinierte mich am Meisten (denn dazu braucht man keine Einrichtung) und ein entscheidender Satz von Maria Montessori der sich mir eingebrannt hatte:

Hilf mir, es selbst zu tun
Zeig mir, wie es geht
Tu es nicht für mich
Ich kann und will es alleine tun
Hab Geduld, meine Wege zu begreifen Vielleicht brauche ich mehr Zeit,
weil ich mehrere Versuche machen will
Mute mir auch Fehler zu,
denn aus ihnen kann ich lernen
Maria Montessori 

Ich hatte beim Löwenjungen also unbewusst schon ganz viel Montessori praktiziert. Es passte einfach zu uns und zu unserem Bauchgefühl. 

Ich hatte die Zeit und den Luxus daheim zu sein und mich rund um die Uhr um das Kind zu kümmern. (Okay, ganz ehrlich, manchmal hätte ich auch gern mit meinen Ex-Kollegen getauscht, aber nur manchmal und das ist ja auch eine ganz andere Geschichte)

Sobald der Löwenjunge sitzen konnte, gaben wir ihm die Möglichkeit selbst zu essen. 
Etwas später mit Besteck und richtigem Geschirr. Könnt Ihr Euch ja vorstellen wie das aussah: 



Es stoß auch nicht überall auf Zustimmung, das könnt Ihr glauben. Kopfschütteln inklusive.
"Achtung Euer Kind hat eine Gabel in der Hand!"
"Äh ja- mit was ißt Du so?"
"Mit dem Essen spielt man nicht"- ja aber wie sollen sie es dann kennenlernen, fühlen, schmecken?
Ein Kind gehört doch gefüttert! Oder? 
Oder?!

Unvergessen dazu bleibt mir das "Experiment Füttern" das ich in unserer damaligen FenKid-"Krabbelgruppe" mitmachen durfte. 
Ich danke Dir, liebe K. heute noch für diese tolle Erfahrung, die dann daheim gleich mein Mann noch ausprobieren musste, danach war auch er sehr überrascht:

Setzt Euch doch mal einem Erwachsenen gegenüber und füttert ihm einen Joghurt oder Obstbrei o.ä.
Gleiches Tempo wie beim Kind bitte und nicht vergessen: mit dem Löffel die Reste vom Mund wischen und danach noch einen Lappen nehmen und nachputzen! Sensationell!

Macht mal, ist echt ein komisches Gefühl! 
Man ist als "Gefütterter" machtlos dem Tempo und den Taten des "Fütterers" ausgeliefert. Fühlt sich wirklich sehr speziell an!

Fläschchen mochte mein Kind nicht und mit dem Plastikgeschirr war ich etwas auf dem Kriegsfuß. Ständig umgeschmissen hab ich den Becher. 
Außerdem  gab es im Nachbarsort noch eine alte Porzellan-Fabrik und ich sag Euch, das Geschirr hatte es mir einfach angetan. Kaputt gegangen ist bis heute übrigens gar nichts davon. 
(Anna hat da erst einen tollen Bericht über Kinder und Geschirr veröffentlicht, falls Ihr mehr wollt: hier)

Der Vorteil von dem Ganzen war, dass mein Löwenjunge sehr bald wirklich schön essen und mit seinem Besteck umgehen konnte. Und die Kopfschüttler schauten überrascht und meinten: "der kann aber schon schön essen für sein Alter". 
Ich kann aber gut verstehen, dass das einfach nichts für alle ist. Jeder hat eben eine andere Einstellung und natürlich können auch gefütterte Kinder heute schön essen. Uns aber war/ist es wichtig, es sie selbst zu erlernen und erleben lassen. Der Drang dazu ist da, das sieht man ihnen einfach an. 

Auch in vielen anderen Dingen haben wir unbewusst viel von der Pädagogik der Maria Montessori am Löwenjungen angewandt. 

Wir wohnten im 3. Stock und manchmal brauchten wir viel Zeit für Rauf und runter, weil das Kind nicht (alles) getragen  werden wollte. Ich konnte meinen Rabauken nicht in Watte packen, denn die Neugier, die Welt zu entdecken stand ihm ins Gesicht geschrieben. 
Ich weiß noch wie auf dem Spielplatz andere Mütter meinten: "der klettert aber hoch, darf er das?" Nun ja, anders wäre es mir zwar oft lieber gewesen, aber er konnte es, das war entscheidend, weil er es sich Schritt für Schritt selbst zugetraut und "erarbeitet" hatte. Immer rein bisschen höher, ein bisschen weiter. 

Töpfchentraining gab es bei uns nicht, auch das muss jeder selber entscheiden, aber zu uns hätte das einfach auch nicht gepasst. Mein Sohn hatte schon immer einen sturen Kopf, das hätte ich mal versuchen sollen! Im Leben wäre der nicht mir zuliebe auf einem Topf sitzen geblieben!
Wir hatten eine Sitzverkleinerung und einen Hocker. Und er hatte uns ja als Vorbild. Mit 2 wollte er das große Geschäft immer aufs Klo machen. Von sich aus. 1 Monat vor seinem 3. Geburtstag meinte er eines Morgens, er bräuchte jetzt keine Windel mehr und es gab ehrlich gesagt nicht viele Wechselunterhosen.
Vertrauen und Zutrauen sind dabei unsere Lehrmeister gewesen. 
Klar, auch ich komme heute manchmal in Versuchung zu sagen "Komm geh jetzt auf Toilette, wir wollen los" weil ich halt denke, es wäre doch an der Zeit. Aber er muss nicht also geht er auch nicht und wenn er dann in 10 Minuten muss- dann geht er halt da. Auch wenn das dann vielleicht nicht in's Timing passt, aber wie lernt man sonst ein Gespür zu bekommen, ob man muss oder ob man MUSS. 

Aber nun zu meiner Überschrift: Montessori Montag. 
Tafjora ist mehr. Ich bin mehr. Nicht stur Montessori und nicht stur irgendeine Richtung. Ich bewundere Maria Montessori und die Dinge die diese kluge Frau erkannt und weiter gegeben hat. Aber auch hier passt nicht (mehr) alles auf und zu uns und in vielen Gruppen oder Foren gibt es dann leider regelrechte Extremisten. "Das muss man aber so machen"
Nein, muss man nicht. 
Für viele Dinge habe ich beim 2. Kind (leider!!!) auch ganz einfach nicht die gleiche Zeit als ich sie noch beim Großen hatte. Ich helfe ihm so oft es geht, es selbst zu tun, zu probieren und ihn zu beobachten. Wann immer es irgendwie möglich ist. Aber es gelingt eben leider nicht immer.
Momentan haben wir Ferien und ich geniesse es, dass wir ohne Zeitdruck am Frühstückstisch sitzen und ich könnte endlos zusehen, wie die beiden sich ihre Brote selbst schmieren und sich dabei gegenseitig auf die Hände gucken. Manchmal sitzen wir nach 10 noch beim Frühstück. 
Ab September sieht das dann leider wieder anders aus. Ist aber auch nicht schlimm, denn viele Dinge passieren dafür aber auch jetzt viel schneller, weil der Kleine es sich einfach vom Großen abguckt. 

Und trotzdem haben wir ganz viele (manchmal auch unbewusste) Montessori-Momente, die ich gerne mit Euch teilen möchte, weil sie vielleicht auch Euch weiterhelfen, inspirieren oder einfach auch nur dazu bringen, zu verstehen und dann zu sagen: "hey, das ist toll. Das ist mehr als nur den Namen tanzen"
Sucht Euren Weg, es gibt so viele Möglichkeiten aber es muss zu Euch passen. 

Struktur ist für jemanden wie mich wichtig, und darum gibt es jetzt diesen festen Tag, den ich für diese Montessori Momente reservieren möchte.

Ab nächsten Montag könnt Ihr also hier unsere Montessori-Momente lesen. Und weil ich auch Eure Ideen kennenlernen möchte, habt auch Ihr die Möglichkeit, jeden Montag Eure Montessori-Momente hier zu verlinken und mit uns zu teilen.

Für viele schöne Ideen, Anregungen und Momente für unsere Kinder. 

À bientôt und bis Bald. 

Eure Tanja  







Wer nichts verpassen will, der darf mir sehr gerne auf Facebook folgen. Viel mehr Bilder von unserem kunterbunten Familienleben gibt es übrigens auf Instagram.

Über Deinen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders! Es bedeutet mir sehr viel, dass Du Dir dafür einen Moment Zeit nimmst. * Merci *

Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    ein schöner Bericht. Ich freue mich immer wenn ich wieder einen neuen Beitrag von dir lesen kann. Schade das uns so viele Kilometer trennen... glg Anna

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    1. Oh danke, liebe Anna!!! Geht mir genau so. Nächstes Jahr kommen wir aber wieder ein Stück näher an Euch, das schreit nach einem Wiedersehen! ;-) GLG Tanja

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  2. Ich bin durch die Blogs auch gerade dabei, Montessori für unseren Alltag zu entdecken und finde das sehr spannend. Das mit dem Selberessen habe ich aber auch schon immer so gehandhabt. Ich war letztens echt schockiert zu sehen, dass meine 5jährige Nichte Lachs mit Reis mit dem Löffel essen sollte. Sie lebt übrigens in Belgien. Vielleicht ist es ja im französischen Kulturkreis eher üblich???
    LG, Micha

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    1. Liebe Micha, den Reis ist zwar mein Löwenjunge auch am Liebsten mit dem Löffel, hihi aber ich weiß was Du meinst. An unserer Ecole ziehen die Kinder auch noch alle ein Lätzchen an, unser Löwenjunge nicht, denn er isst schon lange nicht mehr mit Lätzchen. Ich glaube, den Kids fehlt es ein bisschen an den Vorbildern, sie essen doch schon ab unter 1 Jahr in der Fremdbetreuung, und abends (habe ich mir sagen lassen) wird dann halt gegessen und ins Bett, die Eltern essen oft spät oder wenn die Kids im Bett sind. Ich glaube das ist eine ganz andere Einstellung.
      Ja, Montessori ist eine spannende Sache, ich bin mal gespannt, wie es Dich inspiriert!
      LG Tanja

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  3. Oh wie toll!!! Das find ich genial, denn meine Auffassung von montessori hat sich bisher auch eher auf Kiga/Schule beschränkt. Und das war mir halt immer etwas zu extrem, nicht alles passt bei uns. Aber ja, klar, auch zu Hause kann man diese Denkweise praktizieren und sich die Dinge eben so machen widdewiddewie sie uns gefallen...;-)
    Ich bin gespannt, wo du überall Montessori findest. Wie wäre is mit nem hashtag? #MoNment od #MOment oder so? Dann können auch andere mitmachen ;-) (Ich bin ja ein Fan von hashtags hihi.

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    1. Hihi ok, einen Hashtag bekomme ich noch hin, grins.
      Ich bin auch gespannt, was so für Ideen zusammen kommen, und freue mich, dass Euch meine Idee gefällt!
      LG
      Tanja

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  4. Huhu.

    Montessori ist ein interessanter Ansatz, aus dem man viel lernen kann. Ich lasse meine Kinder im zeitlichen Rahmen ( leider geht es ja nicht immer ohne) so viel wie möglich alleine entdecken und machen. Manchmal fehlt mir die Geduld oder die Zeit, der Ansatz ist aber von Anfang an da gewesen. Unser Großer braucht leider ein wenig mehr Anleitung als andere und eine andere festere Struktur, so dass es für ihn nicht immer passt. Mein Favorit ist "Marte Meo", das wir seit einiger Zeit bewußt als "Erziehungsmethode" ( blöde Umschreibung) anwenden. Hole das Kind dort ab, wo es steht. Das Prinzip ist "Abwarten und Folgen" und dann unterstützen, das Kind bei der Sache zu halten ( ganu grob umschrieben).

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    1. Liebe Sabrina,
      danke für Deinen lieben Kommentar. Marte Meo hatte ich bis heute noch nie in meinem Leben gehört und ich musste es erst mal googeln. Klingt ja auch unheimlich interessant. Ich glaube, das musst Du mir mal näher erklären! Ja, auch mein Löwenjunge braucht feste Strukturen, von daher suche ich eben auch immer unseren Weg und der kann auch durch mehrere Ansätze geprägt sein, hauptsache alle fühlen sich damit wohl und es ist allen damit geholfen.
      LG Tanja

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  5. Liebe Tanja,
    nachdem mein Kommentar gestern nicht geklappt hat, hier noch mal frisch und ausgeruht ein neuer Kommentar.

    Ich hatte Dir gestern geschrieben, dass ich mich über diese "Aktion" sehr freue. Ich ecke sehr oft mit meinem Lausbuben an und es hilft uns immer sehr, wenn ich mich auf Montessori besinne. Und dann hatte ich noch berichtet, dass ich das aber viel zu oft vergesse, weil wir es eilig haben oder ich einfach zu ungeduldig bin oder oder oder...

    Und dann hatte ich noch einen Link zu meinem Beitrag über Lausbubens Bewegungsdrang geschrieben, weil mir wieder mal aufgefallen ist, wie instinktiv wir manches machen. Vertrauen, dass er sicher in seinem Zimmer klettern wird, wenn ich ihm die Möglichkeit einräume. Darüber vergisst er dann dankbarer weise nämlich auch sämtlichen Blödsinn.

    Also Danke für Deinen Post!

    Edit zu Ruhrpottzwerge: Und ja, auch ich kenne Marte Meo und hatte sogar schon mal ein Video Coaching mit einer MM Therapeutin (sehr interessant!!! UND effektiv).


    http://www.allerlei-themen.de/lausbubs-bewegungsdrang/


    p.s. beim ersten mal hat das mit dem kommentieren wieder nicht geklappt. hat irgendwas mit der anmeldefunktion zu tun... also wenn mal noch jmd fragt: erst anmelden, dann kommentieren :)

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    1. Hallo liebe Petra,

      schön, dass Du es heute nochmal gewagt hast zu kommentieren. Ich bin auch oft total genervt von dieser Kommentarfunktion. Da schreibt man und will es absenden und dann ist alles im Nirvana. Ich schreib jetzt immer schon extra und kopiere es rein, weil ich mich zu oft schon geärgert habe.

      Ich habe mir Deinen Beitrag angesehen, ist klasse! Bewegungsdrang ist bei meinem Großen auch stark ausgeprägt...

      Hey, vielleicht schreibst Du ja mal was über Marte Meo, ich hab nichts gefunden davon bei Dir. Ich hoffe ich bin nicht die Einzige, die noch nie davon gehört hat.

      Schön jedenfalls, dass wir uns über die Friday Fives gefunden haben, ich denke und hoffe wir lesen uns jetzt öfter.

      Lieben Gruß
      Tanja

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    2. Liebe Tanja,

      ich habe nicht lange über deine "Bitte" nachgedacht und eben einen ersten Bericht über meine Erfahrung mit Marte Meo geschrieben. Ich denke, es ist mehr ein erstes "was ist es überhaupt" geworden. Aber so bleibt dann doch einiges privat und man kann vielleicht trotzdem herauslesen, was uns Marte Meo gebracht hat. Ein super Ansatz ist es in jedem Fall. Vielleicht versuche ich nochmal ein konkretes Beispiel anhand von uns zu beschreiben :)

      Danke für deine liebenswerte Antwort und ja - ich bin mir sicher, ich lese nun bei Dir öfter! :)

      Bis dahin wünsche ich Dir und Deiner Familie einen schönen Abend. Danke für die Inspiration.

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  6. Liebe Petra,
    ich habe es gelesen und finde es toll wie Du das so ehrlich und offen teilst. Ich finde es unheimlich interessant und glaube, dass das vielen helfen könnte. Ich bin jedenfalls froh, jetzt mal davon gehört zu haben, danke!!!
    LG
    Tanja

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