Montag, 23. Juni 2014

Mein Sohn erklärt mir die Welt: Was ist Mut?

Momentan gibt es mal wieder einige Blogparaden.(Hier kannst Du nachlesen was das ist)
Zu einer ganz besonderen Blogparade hat Johannes Korten auf seinem Blog Jazzlounge http://www.jazzblog.de/jazzlounge/ eingeladen: in seiner Mutmachparade geht es um das sehr komplexe Thema Mut:

"Wie sprecht ihr euch selbst Mut zu, wie ermutigt ihr andere? Was sind Erlebnisse, in denen ihr euch ein Herz gefasst habt und eigene Grenzen überwunden oder anderen bei der Überwindung ihrer Grenzen geholfen habt? Wie weit seid ihr dabei gegangen und wie ist es euch damit ergangen?" 
Viele tolle Leute haben schon viele tolle Sachen dazu geschrieben:  Klickt Euch mal durch die aufgelisteten Beiträge, ich habe sehr oft Gänsehaut verspürt und kann Euch das nur empfehlen. Es gibt so viele unterschiedliche Gedanken und Gefühle zum Thema Mut- dafür schon mal ein herzliches Dankeschön für diese tolle Idee!
Eigentlich hatte ich erst gar nicht vor, mich an dieses Thema zu wagen. (Zu wenig Mut???) Ich hatte es kurz überlegt, aber so grundsätzlich halte ich mich noch nicht mal für besonders mutig. Veränderungen machen mir immer erst mal Angst. Bei der Achterbahn verlässt mich noch vor der Ticket-Kasse der Mut. 
Und überhaupt- was ist eigentlich Mut???
Heute beim Mittagessen bat mich mein Löwenjunge (noch 4), ihm vorzulesen was auf dem bunten Teller seines Bruders steht:

Gott schenkt Kraft und Mut



(Hm, ein Zeichen mir doch mal Gedanken zu machen?)

Ich hatte eigentlich erwartet, dass er mich fragt, was denn Mut ist. Aber es kam nichts, also dachte ich mir, wird er es mir vielleicht sogar erklären können?

Und ich fragte ihn: "Weisst Du denn, was das ist, MUT?" 

"Na klar, Mama! Weißt Du das denn nicht???
Mut ist, wenn man was trotzdem macht, auch wenn man eigentlich Angst davor hat"
"Und wann warst Du mutig?"
"Na, beim Fahrrad fahren lernen zum Beispiel. Weil ich erst Angst hatte hinzufallen und Du gesagt hast, ich soll es doch erst einmal versuchen, Du bist ja bei mir! 
Oder als ich hier in den Kindergarten gekommen bin, da war ich ganz schön mutig, weil ich kein Wort verstanden habe und gar niemanden gekannt habe"
(Oh ja, das stimmt, das war sehr mutig, ein 3-jähriger Junge ohne Kindergartenerfahrung - in einem Kindergarten in dem nicht ein einziger Deutsch sprechen konnte, das war schon wirklich mutig!)
"Und kannst Du Dir auch vorstellen, wann Mama mutig war?"
"Na klar, am 1. Schultag oder? 
Und als wir im Urlaub im Hochseilgarten waren und Du so Höhenangst hattest aber trotzdem weiter gemacht hast- das war echt mutig von Dir!"

Oh, war ich also doch viel mutiger als ich dachte? 

Oft geht es uns doch so, dass andere sagen: "das war/ist aber mutig von Dir" aber man selbst findet es gar nicht so besonders. Man kann vielleicht auch gar nicht anders, hat keine andere Wahl als zum Beispiel zu kämpfen oder weiter zu machen. 

Manche sagten mir, ich sei mutig, nach knapp 1 Jahr dass mein Mann und ich uns kannten zu heiraten- keinesfalls fand ich dass das irgendwas mit Mut zu tun hatte.

"Ganz schön mutig, mit Deinem Mann und den Kindern ins Ausland zu ziehen" - mutig? Warum?

Mutig war es vielleicht ein bisschen, 4 Wochen vor Geburtstermin des Winterkindes mit dem Löwenjungen 1200 Kilometer nach Deutschland zu reisen, getrieben von dem Wunsch einer natürlichen Geburt und der Angst durch Sprachprobleme irgendwas zu vergeigen,- 
aber in dem Moment war es eher eine tiefe Überzeugung als Mut. 

Viele Dinge tun wir, angetrieben von anderen Kräften als von Mut, erst beim zweiten Mal hinschauen oder im Nachhinein oder auch eher die anderen würden es mutig nennen. 

Gegen eine Krankheit ankämpfen- Mut?
Für seine Rechte kämpfen- Mut?
Immer wieder von vorne anfangen- Mut?
Lebensmut?

Vielleicht ist Mut wirklich gar nicht so im Großen zu suchen, sondern in den kleinen Dingen. So, wie es mein Sohn sieht. Dinge trotzdem zu tun, auch und gerade weil man Angst davor hat. 

Meine Mutter sagte mal, mutig sein musst Du nur für Dich selbst. Also nicht um irgendwem durch irgendwas etwas zu beweisen. 

Das Internet ist voll von Videos und Nachrichten über Mutproben von Jugendlichen. 
Und wenn ich mir meine 2 wilden Kerle so anschaue, dann will ich nur hoffen, dass sie irgendwann stark genug sind, anderen nichts beweisen zu müssen. 

Wenn meine Kinder also Angst vor etwas haben, versuche ich nicht, sie zu "überreden" wenn sie wirklich Angst haben. Ermutigen ja, aber nicht überreden. Man darf nämlich auch mutig sein Angst vor etwas zu haben, den Mut haben Nein zu sagen und zurück zu gehen. 

Verliere nicht den Mut, ist nicht einfach zu sagen, zu Menschen die gerade mit schweren Dingen in ihrem Leben zu kämpfen haben. 
Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, oft kann ich auch die verstehen, die den Mut verlieren, denn manchmal gibt es eben kein Happy End. 

Sei stark! Halte durch. Gib nicht auf. 

Und manchmal kann man Mut nur durch  Gesten spenden. 
Eine Umarmung, eine Hand die Dich hält, ein Schulterklopfen, ein Blick. 

So wie meine Jungs. 
Die sich manchmal nur nochmal umdrehen, meinen Blick suchen und dann weiter die Welt entdecken gehen, noch höher klettern, noch weiter hüpfen, Fahrrad fahren ohne Hilfe... 

Und in dem Moment weiß ich, für diese Jungs werde ich mein Leben lang immer allen Mut zusammen nehmen den wir brauchen für das was noch kommt. 

À bientôt und bis bald 

Eure 

Tanja







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