Mittwoch, 21. Mai 2014

Raus aus dem Dunkel - Wie Mütter Wege aus dem Burnout finden könnenGastbeitrag #1

Da ich momentan selbst gerade sehr wenig zum Schreiben komme, habe ich über Twitter "Blogger-Freunde" eingeladen, Gastbeiträge für meinen Blog zu schreiben.
Ich komme ja aus der Touristik und ein sehr beliebter Slogan in unserer Branche ist "Zu Gast bei Freunden". Das passt auch ganz gut als neue Rubrik hier und ich freue mich auf viele neue Gastbeiträge von tollen Schreiberinnen und Schreiber. 

Der erste Gastbeitrag kommt von Michaela, ihr Blog heißt more than words und ihr findet ihn Hier
Über sich selbst schreibt Micha:
"Psychologin, Autorin und zur Zeit Grossfamilienmama... Ich versuche den Alltag mit meinen vier Kindern zu gestalten, mich inspirieren zu lassen und Inspirationen weiter zu geben. Ausserdem liebe ich es, vieles selbst zu machen, Filme schauen, zu reisen, Musik zu hören und über das Leben nachzudenken. Das alles ist Teil dieses Blogs."

Micha fragte mich, ob ich einverstanden bin, wenn sie über das Thema Burnout bei Müttern schreiben würde. Und ich freute mich schon ganz besonders auf diesen Beitrag.

Ich habe mal eine lustige Postkarte gesehen, sie hing bei meiner Schwester in der Küche:
"Ich habe keine Zeit für ein Burnout- ich bin Mutter"
Und so sehr ich jedes Mal darüber schmunzeln muss, so sehr zeigt es doch auch, dass Burnout ganz schön verharmlost wird und vielleicht vor allem bei uns Müttern. 
Mütter haben ja schon von je her vieles geleistet und leisten müssen. Meine Oma ist mit 5 Kindern alleine von Danzig nach Norddeutschland geflüchtet und mit Sicherheit hatte sie es 1000 mal schwerer Mutter zu sein, als ich heute. Aber das reicht doch trotzdem nicht aus, um mir an manchen Tagen Trost zu spenden. Ausgebrannt bin ich zum Glück noch nicht, aber manchmal sind meine Batterien verdammt leer und ich fühle mich ziemlich platt. Gefühllos, kennt ihr das? Wenn man manchmal nicht mal sagen kann wie man sich fühlt, weil man sich nicht mehr richtig fühlt, nicht glücklich oder traurig, sondern einfach nur alle?! 
Es sollte auch vollkommen legitim sein, das auszusprechen, ohne sich gleich rechtfertigen zu müssen. "warum, Du hast doch nur ein Kind und ich zwei" - das hörte ich früher oft und hasste den Spruch! Mein Mann war 3 Monate in Afghanistan und das über Weihnachten und Silvester und der Kleine litt extrem unter Trennungsängsten. 
Nur ein Kind?völlig egal!!! Man darf kaputt und schwach sein, egal mit wieviel Kinder!



Aber nun mache ich hier Platz für Micha und bedanke mich ganz herzlich für diesen tollen Gastartikel und die wertvollen Tips. 



Raus aus dem Dunkel
Wie Mütter Wege aus dem Burnout finden können

http://micha-morethanwords.blogspot.de


Wenn Manager oder auch andere angestellte Arbeitnehmer krank werden, weil ihnen alles zu viel wird, sie sich nicht mehr konzentrieren können, die Freude am Leben und an der Arbeit verlieren – kurz gesagt, ausbrennen und ein Burnout-Syndrom bescheinigt bekommen, werden sie erst einmal krankgeschrieben. Sie können für einige Zeit ihrem Arbeitsplatz Adieu sagen und sich ganz ihrer Erholung widmen. Manche schöpfen genug Kraft, um weiter zu arbeiten, andere überdenken ihre Arbeitssituation und fangen etwas Neues an.

Mütter arbeiten rund um die Uhr. Vor allem mit Babys und kleinen Kindern sind sie ständig im Einsatz. Sie können nicht irgendwann am Ende eines Tages ihren Arbeitsplatz verlassen und die Bürotür schließen, sie können sich auch nicht so einfach krankschreiben lassen. 
24 Stunden einfach mal nichts tun, nichts hören, nichts müssen, nicht darüber nachdenken…
das ist - so lange die Mutter weiter in ihrer Familie bleibt – undenkbar. 
Natürlich gibt es Kurmöglichkeiten für Mütter, die kostbare Kraftquellen darstellen können, aber nicht in jeder Lebenssituation ist so etwas umsetzbar.

Wie schafft Frau es, einerseits für die Familie da zu sein und andererseits nicht unterzugehen? 
Wie kann sie ihre Kraft bewahren und neue Kraft tanken, wenn die Aufgaben und Erwartungen ständig mehr werden?

In meiner Diplomarbeit habe ich mich unter anderem mit der Forschung zum Thema Wohlbefinden“ befasst. Welche Faktoren führen dazu, dass wir uns glücklich und ausgeglichen fühlen? 
Die Forscher benennen hauptsächlich drei Dinge: 
1. Autonomie (die wahrgenommene Selbstbestimmtheit des eigenen Handelns),
2. Kompetenz(individuell wahrgenommene Wirksamkeit des eigenen Handelns) und 
3. Soziale Eingebundenheit

In den ersten Jahren mit einem Kind können diese Faktoren ins Wanken geraten. Das Baby bestimmt den Tagesablauf, intellektuelle Herausforderungen gibt es wenige und vor allem in der ersten Zeit stellt sich manchmal ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation ein. Dazu kommt der nicht zu unterschätzende Faktor des Schlafmangels. 
Wenn man dann das Gefühl bekommt, alles nur noch negativ zu sehen und sich irgendwie nicht mehr richtig freuen kann, könnten dies Hinweise auf ein beginnendes Burnout-Syndrom sein. 
Wer nun das Gefühl von tiefer Ausweglosigkeit hat, sollte sich überlegen, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen.
Ich habe einige dieser Symptome bei mir in den letzten Monaten beobachtet. Bei meinen älteren drei Kindern habe ich die Baby-Zeit als nicht so belastend erlebt und war nun selbst überrascht, dass es mir so schwer gefallen ist, mich darauf einzulassen.

Oftmals kann man aber auch auf die ersten Alarmsignale reagieren und  einiges dafür tun, um nicht tiefer in den Strudel der negativen Gedanken und Gefühle zu geraten:

1.
Darüber reden! Postpartale Depressionen werden als „lächelnde Depression“ bezeichnet, denn viele Frauen verstecken ihre Gefühle hinter einem Lächeln. Das macht es der Umgebung schwer zu reagieren und zu helfen. Also unbedingt darüber reden! Am besten mit dem Partner oder auch mit einer guten Freundin.

2.
Dem Tag Struktur geben! Oftmals herrscht Chaos im Kopf und man muss sich zwingen an dies und jenes zu denken und seien es auch Kleinigkeiten. Da hilft eine tägliche To-Do-Liste. Es macht Spaß erledigte Dinge durchzustreichen - viele kleine Erfolgserlebnisse.

3.
Auszeiten! Mamas mit Schlafmangel brauchen vor allem eins: Schlaf! Es ist also von immenser Wichtigkeit, dass auch die Väter mal die Nachschicht übernehmen oder die Mutter morgens noch liegen bleiben darf. Auch sonst sind ein paar kinderfreie Stunden Gold wert, um wieder zu sich zu kommen und durchzuatmen.

4.
Raus in die Natur! Das geht auch mit Kinderwagen – einfach so viel wie möglich raus in die Natur und den Kopf durchpusten lassen. Die Sonnenwärme tut ihr übriges, damit wir uns besser fühlen.

5.
Freundinnen! Das Eingebundensein in ein Netzwerk aus anderen Frauen, Familie und Nachbarn ist sehr wichtig zur Prävention von Burnout. Oftmals sind Mütter, die betroffen sind, eher introvertiert und es fällt ihnen schwer neue Kontakte zu knüpfen. Hier kann auch das Internet helfen und z.B. auch mitten in der Nacht über Twitter solidarisch sein.

6.
Perspektivenwechsel! Das Gefühl, in der eigenen Situation gefangen zu sein und sich schlecht zu fühlen, relativiert sich, wenn man von anderen Familien und Frauen hört und liest, die oft noch viel schwierigere Lebensbedingungen meistern. Statt nach dem Schlechten zu suchen, kann es helfen, die Perspektive zu wechseln und zu überlegen, für welche Dinge man dankbar sein kann. Wer Dankbarkeit spürt, spürt in diesem Moment keine Angst und keinen Ärger. Mit etwas Übung sammelt man viele kostbare Augenblicke und kann sein Herz wieder für die Schönheit und die guten Dinge öffnen.

Auch wenn es einem in der Phase des Überfordert-Seins schwer fällt zu glauben: es wird wieder besser. Irgendwann werden die Nächte wieder länger und das Kind kann eindeutiger kommunizieren (was es natürlich nicht immer einfacher macht). Jedenfalls möchte ich allen Frauen Mut machen, dazu zu stehen, dass das Leben nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es kann bisweilen auch wirklich dunkle Phasen geben und dann ist es wichtig nicht zu verzweifeln, sondern für sich einen Weg zu finden, der wieder zu mehr Licht führt.




Danke liebe Micha!
Diskutiert mit uns, was sind Eure Tipps und Erfahrungen. Was tut Euch gut und wo nehmt Ihr Eure Auszeiten um Kraft zu tanken und Batterien zu füllen?

À bientôt und bis Bald und gebt gut auf Euch acht!

Eure Tanja

Kommentare:

  1. Lieben Dank fürs Veröffentlichen und auch die berührenden einführenden Worte. Ich hoffe sehr, dass wir das Thema ein bisschen aus der Ecke des Schweigens ziehen können.
    LG, Micha

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    1. Liebe Micha, ich danke Dir, dass Du diesen tollen Beitrag hier veröffentlicht hast. Hoffentlich bis Bald mal wieder! LG

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  2. Interessanter Beitrag.
    Bin gerade mit zwei kranken Kinder eingesperrt und da merk ich erst recht dass Hilfe und mal rauskommen Gold wert sind. Auch über das "warum braucht man als Mutter noch etwas anderes" hab ich selbst schon geschrieben, aber es ist einfach ein wichtiger Ausgleich.
    Wenn ich mich mit allem überfordert fühle kommen dann oft noch Selbstzweifel. Wieso schaff ich das nicht, andere haben ja 5 Kinder und schaffen das auch. Dabei ist einfach die heutige Gesellschaftsstruktur mit ihren Mikrofamilien eine Burnoutförderin.

    Alles Liebe vom Fräulein
    http://suchtdasglueck.at

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    1. Ich hoffe, dass es Euch bald wieder besser geht?! Und hoffentlich bekommst Du auch Unterstützung?!
      Das kenne ich zu gut mit den Selbstzweifeln. Weißt Du, man traut sich doch oft gar nichts zu sagen, denn ich finde die Welt ist auch sehr oberflächlich und ich-Bezogen geworden. Als würde ein "ach das hab ich alles auch schon erleiden müssen und ich hatte es viel schlimmer als Du etc" oder noch besser: "andere müssen das auch schaffen" trösten???? Wohl kaum. Und vielleicht mag das ja auch alles stimmen, aber im hier und jetzt bringt mir das doch nichts.

      Euch auch alles gute, gerne kannst Du ja noch verlinken, was Du

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    2. Dazu geschrieben hast.

      Falls Du hier auch mal einen Gastbeitrag schreiben möchtest, würde ich mich sehr freuen!!!

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  3. Michas Beitrag hat mir gut getan. Es ist wirklich der Verlust der Kontrolle, bzw. diese völlige Fremdbestimmtheit, die Unsicherheit, ob mein Handeln wirklich etwas nützt und das Wegbröckeln von FreundInnen...

    Darüber sollte viel mehr gesprochen werden! Es sollte viel klarer sein, worauf wir uns vorbereiten können, denn: ein soziales Netzwerk aufbauen, wenn ich noch klar denken kann, geht. Wenn mein Hirn ein einziger Brei ist, weil ich vor Müdigkeit kaum geradeaus sehen kann und jeder Kinderschrei meine Haut dünner werden lässt, schaffe ich es nicht mehr, die am nächsten stehende Hilfe zu erkennen und anzuleiern.

    Und vor allem sollte diese bescheuerte Scham bearbeitet werden! Niemand von uns ist wonderwomen! Bei keiner von uns sitzt ein Beobachter dabei und kann wirklich beurteilen, dass wir tatsächlich versagen! Und wenn es ein paar strahlende Mamas gibt, die scheinbar alles mit links wuppen und dann abends noch erschöpft aber glücklich Dostojewski lesen, dann gönne ich ihnen ihr Glück (vor allem das Geld, das nötig ist, sich die Entlastung zu kaufen, die es braucht, um sich selbst zu schützen). Nur: meine Realität lässt nicht viele Erleichterungen (Tagesmutter, Babysitter, Massagen, Friseur, Ausgleichsshopping, Wohnung mit Garten, Auto...) zu. Deswegen breche ich zusammen. Deswegen muss ich mich nicht schämen. Deswegen will ich mich nicht schämen müssen.

    Danke...vielleicht sollten wir mal Burn-Out-Überlastungs-Zusammenbruchs-Texte sammeln und bündeln...

    Minusch

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    1. Deine Idee finde ich gar nicht schlecht, wäre doch mal ein Anfang. Sei lieb gegrüßt und alles Gute!!!

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  4. Liebe Minusch,
    danke für Deine ehrlichen und berührenden Worte. Es gibt sie doch offiziell gar nicht, die Mütter die zusammen brechen und die nicht mehr hüpsch drüber lächeln können. Schöne heile Welt.
    Man soll sich nicht schämen müssen und das Tabut sollte endlich mal gebrochen werden.

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  5. Oh, sehr gerne würde ich bei dir mal einen Gastbeitrag schreiben.

    Hier geht's zu meinem Artikel, der wie ich finde auch mit Burn out zu tun hat.

    Alles Liebe,

    das Fräulein

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