Donnerstag, 30. Januar 2014

Über's laut werden - ausflippen erlaubt?

Ich habe heute Vormittag auf meiner Facebook-Seite "Und noch ein Mama-Blog" einen Post geteilt, der für mir heute irgendwie gerade recht kam:


"Ausflippen erlaubt" von buntraum.at

Und ich habe mich, gerade heute, in diesen wunderbaren Zeilen sowas von wieder erkannt! Es hat mich so sehr beschäftigt, dass ich es, um besser verarbeiten zu können, mal niederschreiben muss. 

Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Vielleicht mehr als manch anderer und vielleicht auch mehr als mir und den meinen manchmal gut tut. Dass man es nicht allen Recht machen kann, weiß ich zwar, aber versuche es dann doch immer wieder - was meistens gnadenlos schief geht. Bis einer weint. Und heute war das mal eben ich. 

Ich komme aus einem Elternhaus, das heutzutage ziemlich "aus der Mode" gekommen ist. Meine Eltern haben vor über 50 Jahren jung geheiratet, (und sind es immer noch) dann 2 Kinder bekommen, ein Haus gebaut und dann mich als Nachzügler bekommen. 
Das heißt, irgendwann mit 10 oder 11 war ich fast ein Einzelkind, da meine Schwestern schon groß waren und zur Lehre außer Haus wohnten. 
Es gab auch bei uns Streitereien, aber so richtig laut war es nie. Und richtig laut kann ich eigentlich auch nicht ab. Wenn meine Männer die Treppe hochtrampeln wie 100 Elefanten, dann stehen mir schon die Nackenhaare zu Berge. Sowas gab es einfach nicht in meinem Elternhaus.  Keiner hätte da die Türen zugeknallt oder sich extrem angebrüllt. Ich kann mich zumindest nicht erinnern und glaube auch nicht, dass ich es nur verdrängt habe. 

Heute frage ich mich, wie das meine Eltern gemacht haben!? Aber wenn ich sie frage, dann schauen sie mich irgendwie auch nur ungläubig und ratlos an. Können sie sich auch nicht erinnern? Mein Vater meint, früher hätte man nicht soviel diskutiert. Aber waren wir damals wirklich so pflegeleichtere Kinder und haben das "Nein" oder "Aber, aber- Finger weg!" einfach so akzeptiert? Wollten wir keine Grenzen austesten und sehen wie weit wir gehen können???

Heute war für mich so ein Tag an dem  ich das Geheimrezept meiner Eltern gern gekannt hätte. Heute war ich genau so eine Mama, wie ich sie nie werden wollte. Bin sogar über meinen eigenen Ton erschrocken! Laut und wütend. 

Ich war mit meinen beiden Jungs zu Besuch im Pflegeheim. Es war der Supergau. Beide waren sowas von anstrengend, dass ich nach nur 15 Minuten schweißgebadet wieder abhauen wollte. Und das, obwohl mir diese Besuche ja so wichtig sind, weil sie halt wegen der Entfernung so selten sind. 
Klar weiß ich, dass so Pflegeheime keine Kinderparadiese sind. Langweilig und anstrengend für Kinder. Alte und kranke Menschen, kein Spielzeug und eine ganz eigene Stimmung. Aber manchmal geht es halt nicht anders! Ich hatte keinen Babysitter und die Jungs waren eigentlich auch schon öfter da und wollen Oma ja eigentlich auch immer sehen. 

Aber heute war gar nicht unser Tag. Das große Kind ist seit unserer Ankunft in Deutschland ja eh schon so durch den Wind, weil er jeden Tag ein anderes Highlight hat. 
Seit wir also hier sind, ist Ausnahmezustand. Rhythmus und Rituale sind für mein großes Kind extrem wichtig, weil sie ihm Halt und Sicherheit geben. All das geht hier auf Besuch aber nur bedingt oder gar nicht. 
Es gibt also jeden Tag Ärger. Jeden!!  Schon morgens beim Aufstehen ist das große Kind auf 180 und steht aufgeregt auf der Matte und ist wie ausgewechselt. Gehört wird fast gar nicht mehr und selbst das Schimpfen stört ihn grad nicht. Alles muss man noch öfter sagen als sonst, es ist extrem anstrengend. Und dann liegen meine Nerven plötzlich blank. Es ist einem plötzlich peinlich wie die anderen einen anschauen: "Die hat ihre Kinder nicht im Griff" Und es machte mich wütend und traurig zugleich. Ich wollte nur ein bisschen die Zeit zusammen genießen, weil man sich kaum sieht. Stattdessen bin ich aufgescheucht durch die Gänge gerannt und habe versucht 2 Kinder zu zähmen dass sie sich einigermaßen benehmen. 
Irgendwann bin ich laut geworden und habe sogar gedroht: "wenn jetzt nicht endlich Schluss mit dem Theater ist- dann gehst Du später nicht Schlitten fahren" - Oh Gott- wie sich das schon anhört!!! Drohen ist nicht grad meine Methode eigentlich. Denn sie bringt ja genau genommen auch nichts, außer dass man sich selbst bestraft. 
Ich kam mir heute vor, wie die Mütter, die ich früher, mit "nur" einem Kind selber nicht verstanden habe. Wenn sie ihre Kinder anbrüllten, drohten oder dann hysterisch den Ort des Geschehens verließen. 
Heute war ich es selbst. So genervt und laut und habe dann aufgegeben und bin gegangen. Mit einem dicken Kloß im Hals. 

Jetzt- Stunden später- ist der Ärger verraucht. Was hat mich nur so wütend gemacht? Dass ich wilde Kerle dabei hatte? Dass mir einmal nicht egal war, was andere über mich, über uns denken? Dass alles aus dem Ruder lief und die Kontrolle verloren ging? 
An einem anderen Tag wäre es sicher anders gelaufen. 
Heute tat es nur so verdammt weh, warum auch immer. 

Und auch das gehört eben dazu Mutter zu sein. Morgen ist ein neuer Tag und ich hoffe, dass ich meine innere Ruhe wieder finde und gelassener bin. Ich weiß ja, dass meine Kinder mir eigentlich nichts böses wollen. 
Ausflippen erlaubt. Was für die Kids gilt, darf dann auch mal für uns gelten. 




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